Wien - Nach langen, zähen konzerninternen Verhandlungen (samt ergebnisloser Partnersuche) hat der Aufsichtsrat der ÖBB-Holding den Sack am Dienstag zugemacht: Der Teilbereich Kontraktlogistik (Stückguttransporte) wird per Jahreswechsel von der Güterverkehrssparte abgespalten und an die Konzernmutter ÖBB-Holding verkauft. Damit ist der seinerseits auf Sanierungskurs fahrende ÖBB-Teilkonzern Rail Cargo Austria (RCA) einen weiteren Verlustbringer los.

Die Übertragung des bereits in eine GmbH ausgegliederten, in European Contract Logistics-Austria (ECL) umgetauften und bis 2012 defizitären Stückgutbereichs solle stufenweise erfolgen, erfuhr der Standard nach der dienstäglichen Sitzung in ÖBB-Kreisen. Als "große GmbH" mit 1076 Beschäftigten und 217 Millionen Euro Umsatz soll ECL einen eigenen Aufsichtsrat bekommen, der tunlichst Expertise in Logistik aufweist, wie es heißt. Wer dem Gremium angehören wird, sei noch offen. Heuer soll ECL mit 1,3 Mio. Euro Ergebnis (Ebit) positiv sein.

Als fix gilt, wenngleich von offizieller ÖBB-Seite unbestätigt, dass die erst im August neu besetzte ECL-Geschäftsführung aufgestockt bzw. umgebildet wird. Neben RCA-Urgestein Otto Schiel und dem erst im Sommer engagierten Günter Birnstingl (war bei DHL) soll Andreas Fuchs Platz nehmen. Der 2012 mit üppiger Abfindung und Konsulentenvertrag hinauskomplimentierte RCA-Finanzchef soll ECL profitabler machen - und bei der Gelegenheit seine auf gut 1,5 Millionen Euro taxierte Abfindung als Alteisenbahner abarbeiten, wie es heißt. Das Angebot, einen Fünfjahresvertrag als Geschäftsführer der RCA-Speditionstochter Ex-IF anzunehmen, hatte der damals 47-Jährige vor einem Jahr abgelehnt. "Es gibt keine Entscheidungen über personelle Veränderungen bei der ECL", betonte ÖBB-Sprecherin Sonja Horner.

Auf Harmonie stehen die Zeichen auch bei den Transportverträgen zwischen ÖBB/RCA und zehn sogenannten Privatbahnen. RCA hatte die Uralt-Frachtverträge mit Montafoner Bahn, Zillertalbahn, Raaberbahn, Stern&Hafferl, Graz Köflacher, Steuermärkischer, Salzburger und Wiener Lokalbahn gekündigt, weil die Dienstleistungen für die Konkurrenten nicht kostendeckend gewesen seien, pro Jahr vier bis sechs Mio. Euro Verlust einfuhren. Mit einigen habe man bereits neue Verträge geschlossen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 5.12.2013)