Wien- An insgesamt vier medizinische Forschergruppen aus Wien wurden am Donnerstag Auszeichnungen im Rahmen des Theodor-Billroth-Preises der Ärztekammer und des Forschungsförderungspreises der Erste Bank vergeben. Drei der prämierten Arbeiten kommen aus dem Bereich der Medizinischen Universität Wien, eine aus dem Orthopädischen Spital Wien, hieß es in einer Aussendung.

Mit dem ersten Preis des Theodor-Billroth-Preises wurde Joanna Warszawska von der Klinischen Abteilung für Herz-Thorax-gefäßchirurgische Anästhesie und Intensivmedizin der Wiener Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie ausgezeichnet. Die Wissenschafterin beschäftigte sich in ihrer Arbeit mit der Prognose bei schweren Lungenentzündungen. Dabei stellte sich heraus, dass das Glykoprotein Lipocalin 2 ein Marker für den Verlauf sein kann. Es dämpft durch eine Verstärkung der Ausschüttung des körpereigenen Immunbotenstoffs Interleukin-10 die Entzündung, was aber gleichzeitig zu einer verminderten Abwehrreaktion gegen die Krankheitserreger - speziell gegen Pneumokokken - führt. Personen mit niedrigen Lipocalin-Werten überleben hingegen eine Pneumokokken-Lungenentzündung signifikant häufiger.

Zweiter Preisträger des Theodor-Billroth-Preises 2013 ist Sebastian Farr von der Abteilung für Kinderorthopädie des Orthopädischen Spitals in Wien Speising. Er konnte in einem Vergleich von Befunden aus Arthroskopieund Magnetresonanz-Untersuchungen bei Kindern mit chronischen Handgelenksschmerzen zeigen, dass die Arthroskopie dem MRT-Verfahren überlegen ist. Zu 80 Prozent wurden Schäden am "Meniskus des Handgelenks" sowie angeborene Fehlbildungen als Ursachen der Beschwerden diagnostiziert.

Erste Preisträgerin des diesjährigen Forschungsförderungspreises der Erste Bank ist Bianca Itariu von der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der Wiener Universitätsklink für Innere Medizin III. Sie beschäftigte sich in ihrer Arbeit mit dem Zusammenhang von extremem Übergewicht und Folgeerkrankungen wie Typ 2-Diabetes oder Herzerkrankungen. Wichtig für deren Entstehung sei offenbar eine chronische Entzündung, die durch das übermäßige Fettgewebe hervorgerufen wird. Die Wissenschafterin konnte an 55 Patienten, die entweder Omega-3-Fettsäuren oder einfache Butter erhielten, zeigen, dass die Omega-3-Fette die Entzündung dämpfen und gewisse Blutfettwerte (Triglyceride) reduzieren. Das solle auch das Herz-Kreislauf-Risiko verringern.

Um eine neue Impfung gegen Birkenpollenallergien ging es schließlich in der Arbeit von Katharina Marth vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der Medizinischen Universität Wien. Die Ergebnisse versprechen, dass eine neue, vollsynthetisch herstellbare Vakzine keine schweren allergischen Nebenreaktionen auslöst und dass ein Impfschutz mit nur vier Injektionen pro Jahr erzielt werden könne. Bisher waren mit den herkömmlichen Birkenpollen-Antigenen (Bet v 1) oft mehr als 20 Impfungen notwendig, um eine Besserung der Symptome zu erreichen.

Der durch gezielte Veränderung des Birkenpollenhauptallergens (Bet v 1) hergestellte Impfstoff liefert schützende Antikörper und soll die Entwicklung von Toleranz gegen das Allergen fördern. Auf Basis dieser Arbeiten soll nun mit der Behandlung erster Patienten in klinischen Studien begonnen werden. (APA, 5.12.2013