Der Jemen war, als ihn die Welle der arabischen ­Protestbewegungen erreichte und den Langzeitpräsidenten Ali Abdullah Saleh hinwegschwappte, in einem derartig schlechten Zustand, dass es einem Bewunderung abnötigt, wie sich das Land seither trotz allem gehalten hat und um sein Überleben kämpft. Aber nun werden die Hoffnungen, dass der politische Übergangsprozess erfolgreich abgeschlossen werden kann, immer dünner. Und wie immer im Jemen gibt es den einen großen Profiteur der Krise: Al-Kaida und Konsorten.

Während der jemenitische Verteidigungsminister in ­Washington den "strategischen Dialog" mit den USA führt, wird das Ministerium in Sanaa angegriffen: Der Zusammenhang scheint auf der Hand zu liegen. Aber es ist ein Begründungsmix, der dem Extremismus immer mehr Raum lässt. Dazu gehören nicht zuletzt die Grabenkämpfe im jemenitischen Sicherheitsestablishment, dessen Umbau zur "Entsalehifizierung" – nach Ex-Präsident Saleh – des Staates nötig ist.

Gleichzeitig wird Salehs Nachfolger Abd Rabbo Mansur Hadi nachgesagt, dass es ihm ganz gut passt, dass er, weil der "Nationale Dialog"  stockt, noch länger im Amt bleiben kann als im Transitionsfahrplan vorgesehen. Die Frustration steigt – und die zwei großen Konfliktherde im Land, der konfessionell konnotierte Aufstand im Norden und die Sezessionsbestrebungen im Süden, werden wieder heiß. (DER STANDARD, 6.12.2012)