Ramallah/Jerusalem - Israels Außenminister Avigdor Lieberman hat der optimistischen Einschätzung der Nahost-Friedensaussichten durch US-Außenminister John Kerry widersprochen. "Ich glaube nicht, dass es im nächsten Jahr zu einer umfassenden Lösung oder einer Art von Durchbruch (bei den Friedensgesprächen mit den Palästinensern) kommen wird", zitierte die Zeitung "Haaretz" Lieberman am Samstag.

Kerry hatte sich am Vortag zum Abschluss seines Nahost-Besuchs in Israel anders geäußert: "Ich glaube, wir waren Frieden und Wohlstand, den alle Menschen dieser Region herbeisehnen und verdienen, seit Jahren nicht mehr so nahe wie heute".

Lieberman bewertete die im Juli auf Kerrys Vermittlung hin aufgenommenen und auf mindestens neun Monate angelegten Gespräche mit den Palästinensern dennoch positiv. "Es ist wichtig, den Dialog aufrecht zu erhalten, weil wir in derselben Region leben und Nachbarn sind", sagte der rechtsgerichtete Politiker.

Zugleich kritisierte er seinen Regierungschef Benjamin Netanyahu, der das Übergangsabkommen mit dem Iran im Atomkonflikt öffentlich als "historischen Fehler" und "schlechten Handel" gebrandmarkt hatte. "Es ist unnötig, Differenzen öffentlich zu diskutieren", sagte Lieberman.

Soldaten erschießen 15-jährigen Palästinenser im Westjordanland 

Israelische Soldaten haben am Samstag bei Zusammenstößen mit Palästinensern im Westjordanland einen Jugendlichen erschossen. Der 15-Jährige sei im Flüchtlingslager Jalasun nördlich von Ramallah angeschossen worden und auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben, teilten palästinensische Rettungskräfte mit.

Auf der israelischen Nachrichtenwebseite Ynet hieß es, der Teenager sei von einer Kugel im Rücken getroffen worden. Die israelische Armee wollte zu dem Vorfall zunächst nicht Stellung nehmen. Das Flüchtlingslager Jalasun liegt in der Nähe der jüdischen Siedlung Beit El. Es kommt dort häufig zu Auseinandersetzungen zwischen Steine werfenden Palästinensern und israelischen Soldaten. (APA, 7.12.2013)