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Auch Vietnam kennt Alfred Riedl wie seine Westentasche.

Foto: AP/Longstreath

Syrien oder der Jemen, sagte Alfred Riedl einmal dem STANDARD, brauchen sich um den Fußballtrainer Alfred Riedl gar nicht erst zu bemühen: "Wo geschossen wird, gehe ich nicht hin." Bei Indonesien hat der 64-jährige Wiener keine Bedenken. Zwar geht es im Fußballverband des nach Einwohnern (rund 238 Millionen) größten muslimischen Staates oft drunter und drüber, aber Riedl, der zweimal aufgrund sportpolitischer Querelen seinen Job verloren hat, wird dort als Fachmann geschätzt. Weshalb er jetzt zum dritten Mal engagiert wurde. Am Samstag unterschrieb Riedl in Jakarta einen bis 2015 laufenden Vertrag als Teamtrainer.

Nur noch ein weiteres Mitglied des Weltverbandes hat einen österreichischen Teamchef, wobei der 49-jährige Steirer Rene Pauritsch in Liechtenstein eine sportlich leicht wertvollere Aufgabe zu erfüllen hat. Die Kicker aus dem 37.000 Einwohner zählenden Fürstentum liegen in der Rangliste auf Platz 152, Indonesien ist die Nummer 162 unter 209 Verbänden.

Riedl ficht das nicht an. Ihn treibt nicht die Abenteuerlust, maximal Neugier, aber er wurde irgendwie vertrieben. 1993 kehrte er dem österreichischen Fußball, in dem er als Gescheiterter galt, den Rücken. 1990, nach dem ziemlich legendären 0:1 des österreichischen Teams gegen die Färöer, folgte er Josef Hickersberger als Teamchef. Acht Spiele später, nach nur einem Sieg, war Schluss und Riedls Ruf ruiniert.

Er betreute danach Klubs in Marokko und Ägypten und im Iran seine zweite Nationalauswahl. Es folgte ein Engagement in Liechtenstein und eine erste, dreijährige Amtszeit in Vietnam. 2004 übernahm Riedl die Mannschaft Palästinas. Trainiert wurde in Ägypten, oft fehlten ihm Spieler, die Gaza nicht verlassen durften, oft war "die Trainerarbeit auch Trauerarbeit". Als Riedl ein Treffen mit Yassir Arafat verweigerte, war der Job Geschichte.

Es folgte wieder Vietnam, es folgt der ultimative Beweis seiner Popularität in der Fremde: 2007 braucht der in zweiter Ehe verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder eine Niere. Mehr als 100 potenzielle Spender melden sich. Riedl wurde im Wiener AKH operiert, konnte danach problemlos weiterarbeiten - in Vietnam, in Laos, in Indonesien.

Wann immer es seine auf österreichischem Bundesliga-Niveau bezahlten Jobs zulassen, ist Riedl daheim in Pottendorf, Niederösterreich. Dort hat er viele alte Freunde, dort gilt er auch im eigenen Land viel. (Sigi Lützow - DER STANDARD, 9.12. 2013)