Wien - Nach dem Scheitern der Honorarverhandlungen für Magnetresonanz- (MRT) und Computertomografie (CT) haben Radiologen am Montag ihre Forderungen an die Sozialversicherung präsentiert. Sie verlangen mehr bezahlte Untersuchungen, wollen eine Valorisierung ihrer Tarife und die Übernahme neuer Leistungen. Gibt es keine Einigung, droht den Patienten ab 1. Jänner ein vertragsloser Zustand.

Konkret wollen die Ärzte, dass die Zahl ihrer seit vier Jahren von den Krankenkassen gedeckelten Untersuchungen von 2014 bis 2020 um jährlich fünf Prozent steigen darf. Nur so könnten die Wartezeiten für die Patienten - derzeit an die zwölf Wochen - reduziert werden. Die Tarife sollten an die Inflationsrate angepasst werden, was seit 1990 nicht mehr geschehen sei.

Ärzte wollen neue Leistungen verrechnen können

Außerdem sollten neue Leistungen wie Brust- und Prostata-MR sowie Dickdarm,- und Koronar-CT bezahlt werden, führte Manfred Baldt, Verhandlungsführer der 110 Institute für bildgebende Diagnostik in der Wirtschaftskammer aus. Es gehe ausschließlich um Untersuchungen nach ärztlicher Zuweisung, die auch chefärztlich bewilligt seien, betonte er. Der jährliche Aufwand für die Kassen würde dadurch um fünf bis 6,5 Mio. Euro steigen.

"Wir hoffen auf ein Einlenken der Sozialversicherung für unsere Patienten", betonte Baldt und gab sich weiter verhandlungsbereit. Julian Hadschieff, Fachverbandsobmann für Gesundheitsberufe in der Wirtschaftskammer, ergänzte, dass man keineswegs auf den vertragslosen Zustand setze, um dann ohne Limits kassieren zu können.

MR-Untersuchung kostet 150 Euro

Den Patienten würde ein solcher jedenfalls teuer kommen. Sie müssten die Untersuchungen bar bezahlen, würden von der Kasse aber nur 80 Prozent ihres Tarifs refundiert bekommen. Derzeit kommt eine MR-Untersuchung im Durchschnitt auf 150 Euro, ein CT auf 102 Euro. Bei einem vertragslosen Zustand würden die Ärzte aber mehr verlangen, um ihren zusätzlichen Verwaltungsaufwand abzudecken, sagte Baldt. Um wie viel, konnte er nicht sagen. Eine Empfehlung an die Ärzte dürfe es aus kartellrechtlichen Grünen nicht geben.

Sozialversicherung hält ihr Angebot für fair

Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger ist weiter zu Honorarverhandlungen bereit. Das hat Albert Maringer, Chefverhandler und Gebietskrankenkassen-Obmann in Oberösterreich, am Montag bekräftigt. Das eigene Angebot bezeichnete er als fair, man müsse mit Geld der Versicherten sorgsam umgehen.

Man habe den Radiologen einen Abschluss über der Inflationsrate und auch eine Einmalzahlung angeboten. Außerdem gehe es um einen Dreijahresvertrag. "Ich glaube, dass der Tarif selber und das Angebot in dieser wirtschaftlichen Situation ein sehr faires ist." Was Wirtschaftskammer und die Institute verlangten, sei "jenseits von dem, was einer sozialen Krankenversicherung zumutbar ist".

Hauptverband befürchtet hohe Selbstbehalte

Dass die Institute die Verhandlungen für gescheitert erklärt haben, sei überraschend gekommen, sagte Maringer. Man hatte eigentlich ausgemacht gehabt, dass die Ärzte wegen eines weiteren Termins auf die Kasse zukommen. "Ich warte", betonte der Kassenverhandler. "Ich bin jederzeit verhandlungsbereit."

Laut Maringer könnten den Patienten bei einem vertragslosen Zustand Selbstbehalte von 50 Euro pro Untersuchung blühen. MRT- und CT-Leistungen gebe es aber nicht nur in den betreffenden Instituten, betonte er. In Akutfällen könne man in die Spitäler ausweichen, zusätzlich würde die Kasse dann versuchen, mit weiteren Betreibern handelseinig zu werden.

Von politischer Seite wurde am Montag vor dem vertragslosen Zustand gewarnt. Die Gesundheitssprecherin der Grünen, Eva Mückstein, wandte sich in einer Aussendung gegen Einsparungen auf dem Rücken von Patienten. Dagmar Belakowitsch-Jenewein (FPÖ) gab Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) und seiner Gesundheitsreform die Schuld an "brutalen Sparmaßnahmen bei den sozial Schwächsten". (APA)