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Kostümdesignerin Jacqueline Durran erhielt für ihre Modearbeit im Film "Anna Karenina" einen Oscar.

Foto: AP/Joel Ryan

Im Rahmen der Vortragsreihe Kleiderfragen spricht heute der französische Kulturanthropologe und Historiker Daniel Devoucoux zum Thema Mode im Film. Zwischen beiden ästhetischen Praktiken bzw. Medien gibt es vielfältige und intensive Querverbindungen und Beziehungen. Devoucoux stellt fest, dass beinahe jeder Film mindestens ein dokumentarischer über die Mode ist, als fiktionaler Erzählfilm meist auch einer, der mit der Kleidung seiner Protagonisten dramaturgische Akzente setzt.

Die Filmkostümdesigner müssen sich tief in die Psyche der Charaktere hineinversetzen und eventuell auch noch Modetendenzen der Zukunft erahnen. Sozialer Status und seelische Befindlichkeiten der Figuren lassen sich über die Kleidung innerhalb kürzester Zeit vermitteln.

Zudem beeinflussen sich der Look der Schauspieler und die Kinomythen wechselseitig - was wiederum nicht ohne Wirkung auf die reale "Straßenmode" bleibt - so können alltägliche Kleidungsstücke zu Kultobjekten werden. Diese enge Beziehung zwischen Fashion und Laufbildern ist nichts Neues. Beide Traumwelten gingen schon früh eine Liaison ein: Im 19. Jahrhundert nutzten Modeschöpfer die Theaterbühnen als Laufstege für ihre Kreationen, und in der Pionierzeit des Stummfilms erfreuten sich Laufbilder von damals aktuellen Modetrends großer Beliebtheit.

Mode und Film tragen aber auch zur Dekonstruktion körperlicher Normen und kultureller Codes bei. Beide autonomen Systeme definieren sich als Kunst der Verwandlung und Verzauberung: von Körpern, Personen, Atmosphären, Bildern. Das Körperbild unterliegt so einem steten Wandel.

Devoucoux untersucht auch anhand von Robert Altmans Prêt-à-Porter (1994) und David Frankels Der Teufel trägt Prada (2005) die Darstellung der Modebranche in Spielfilmen. Ersterer zeigt, dass am Jahrmarkt der Eitelkeiten aus Glanz schnell Abglanz werden kann. (dog, DER STANDARD, 11.12.2013)