Wien – Erhält man eine SMS mit dem Inhalt "Papa, Du wirst Opa", ist das gemeinhin ein Grund zur Freude. Außer, wenn der Enkel gleichzeitig der eigene Sohn ist. Bei Alfred P. ist das der Fall, daher sitzt er auch im Wiener Straflandesgericht wegen "Blutschande" vor Richter Andreas Böhm.

Dass es "moralisch ein ziemlicher Übergriff" ist, wie sich Böhm ausdrückt, ist dem 48-Jährigen heute bewusst. Wirklich reumütig ist sein Geständnis aber nicht. Schließlich sei alles freiwillig gewesen und er habe ja eine "Beziehung" mit der Tochter gehabt, seit sie 18 geworden ist.

Böhm interessiert sich für die Chronologie. Ihre Kindheit verbrachte Jasmin K. bei der Mutter und in diversen Betreuungseinrichtungen. Mit 14 zog sie zum Vater und dessen Lebensgefährtin. Mit der das Verhältnis nicht friktionsfrei war. "Ich habe dann ausziehen müssen, weil ich meine Tochter verteidigt habe", sagt der Angeklagte. Vater und Kind zogen in diverse Obdachlosenasyle.

Im Jahr 2009 überließ die Mutter ihrer Tochter eine kleine Wohnung. "Die habe ich hergerichtet", schildert P. dem Richter. "Da hat es sich dann ergeben im August 2009." Der Inzest nämlich. "Wir sind auf dem Sofa gesessen und da hat das Thema angefangen, wie das mit dem Vater wäre." "Wer hat mit dem Thema angefangen?",will Böhm wissen. "Da sind wir beide draufgekommen. Ich kann nicht mehr sagen, ob sie oder ich." "Das ist doch ein unfassbarer Schritt, das kann man nicht vergessen", wirft der Richter ein. "Ich habe es vorgeschlagen", presst der Angeklagte aus sich heraus.

Beim dritten Mal "geeinigt"

Aber, verteidigt er sich, die ersten beiden Male sei er eh standhaft geblieben. "Beim dritten Mal haben wir uns dann geeinigt. Ich habe was getrunken gehabt, sie etwas geraucht." "Und was haben Sie sich dabei gedacht? Falls Sie überhaupt denken", will Böhm wissen. "Naja, nachher habe ich mir gedacht, was für einen Scheiß ich gebaut habe." Konsequenzen hat er daraus offenbar nicht gezogen. "Wie oft hatten Sie denn Geschlechtsverkehr?", fragt der Richter. "Am Anfang ein bis zweimal pro Woche, dann ist es immer mehr geworden."

Die Sache ging bis zum Jänner 2012, irgendwann kam die Opa-SMS. "Haben Sie sich keine Gedanken gemacht, dass Sie der Vater sein könnten?" "Nein, sie hat gesagt, der Bub sei von ihrem Freund." Erst ein DNA-Test brachte die Gewissheit. Was P. scheinbar wurmt: "Ich habe sie eh gefragt, ob sie die Pille nimmt und sie hat ja gesagt."

Angezeigt wurde P. schließlich vom Jugendamt. Dass er seine Tochter bedroht oder geschlagen habe, bestreitet der mehrfach vorbestrafte Angeklagte kategorisch. Warum die heute 22-Jährige dann zweimal mit einem Nasenbeinbruch ins Spital gekommen ist? "Ich war es nicht." Nur ein blaues Auge gibt er zu: "Da habe ich das Handy auf die Katze geschossen und sie ist dazwischengerannt."

Der Prozess wird auf unbestimmte Zeit vertagt, da Böhm ein psychiatrisches Gutachten der Tochter möchte. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 11.12.2013)