Brüssel - Während Staaten wie Australien oder Neuseeland das Thema Bio-Invasoren überaus ernst nehmen und strenge gesetzliche Regelungen erlassen haben, herrscht in Europa eine traditionell laxe Einstellung gegenüber dem Einschleppen gebietsfremder Arten. Dabei gibt es Neozoen und Neophyten auch auf unserem Kontinent in wachsender Zahl.

Und nicht alle sind so unbedenklich wie die paar Nandus, die in Norddeutschland aus einer Zuchtanlage ausgebüxt sind und seitdem eine überlebensfähige Population aufgebaut haben. Gesundheitliche Probleme kann beispielsweise das im 19. Jahrhundert aus Nordamerika eingeschleppte Ragweed bereiten, ein Traubenkraut, das bei Hautkontakt starke Allergien auslösen kann. Eingeschleppt wurde die Pflanze durch verunreinigtes Vogelfutter oder Saatgut.

Hohe Zahl an Invasoren

In Österreich existieren rund 2.000 solcher invasiver Arten, von denen 50 Pflanzen- und 200 Tier-Arten als problematisch gelten. Insgesamt sind es im EU-Raum 12.000 Spezies von Bio-Invasoren, wobei 1.500 davon Probleme bereiten können: Etwa indem sie heimische Arten verdrängen, wie es das nordamerkanische Grauhörnchen mit dem roten europäischen Eichhörnchen derzeit auf den britischen Inseln macht. Ähnlich verhält es sich mit dem Signalkrebs, einem weiteren Neozoon aus Nordamerika, der als Träger der Krebspest heimische Krebsarten aussterben lässt.

Außerdem können Bio-Invasoren wirtschaftlichen Schaden anrichten - nach rund 100 Jahren Ruhe ist sogar wieder vereinzelt ein einst gefürchteter Weinreben-Schädling aufgetaucht, die Reblaus. 

Die EU-Umweltminister - ohne Österreichs Nikolaus Berlakovich, der noch in Regierungsverhandlungen steckt - befassen sich am Freitag in Brüssel mit Bio-Invasoren, die von Drittstaaten in die Europäische Union gekommen sind. Die EU-Kommission soll nun eine Liste von 50 als gefährlich eingestuften gebietsfremden Arten erstellen. Das Ganze soll jedoch lediglich eine Orientierungsdebatte sein. (red/APA, derStandard.at, 11. 12. 2013)