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Leben für das Tote Meer.

Foto: APA/EPA/Sultan

Es ist nicht ganz sicher, ob dem Toten Meer damit mehr genützt oder geschadet wird, und Theodor Herzls Vision von einem Zwei-Meeres-Kanal quer durch das Heilige Land wird damit nur teilweise verwirklicht. Aber immerhin: Israelis, Jordanier und Palästinenser haben am Montag in Washington ein "historisches Abkommen" über eine Verbindung zwischen dem Roten Meer und dem Toten Meer unterzeichnet. Wenn alles klappt, sollen dadurch alle mehr Trinkwasser bekommen, und die Austrocknung des Toten Meeres würde zumindest gebremst. "Wir reichen unseren regionalen Partnern die Hände zur Entwicklung eines so wichtigen Projekts" , sagte der jordanische Wasserminister Hasem el-Nasser bei der Unterzeichnung, "das nicht nur in unserer Region, sondern in der ganzen Welt ein Modell dafür sein wird, dass Wasser Menschen zusammenbringen kann."

Der Wiener Journalist Herzl, der als Vordenker des jüdischen Staates gilt, hatte 1902 einen Kanal beschrieben, der "das Tote Meer zum Leben erweckt" – der große Salzsee, der am tiefsten Punkt der Erdoberfläche liegt, würde durch Wasser aus dem Mittelmeer aufgefüllt werden, und zugleich würde das Gefälle zur Stromerzeugung genützt.

Nach jahrzehntelangen Überlegungen soll jetzt allerdings bloß eine bescheidenere Version mit Rohrleitungen vom Roten Meer realisiert werden. Bei der jordanischen Stadt Akaba wird eine Entsalzungsanlage gebaut, die Wasser aus dem Roten Meer verwendet. Vom produzierten Süßwasser wird ein Teil im Süden an die Israelis abgegeben, die es dort etwa für den Badeort Eilat benötigen. Im Tausch dafür bekommen die Jordanier im Norden mehr Wasser aus dem See Genezareth, und so ersparen sich beide Länder den Bau von Trinkwasserleitungen in Nord-Süd-Richtung.

"Hoffnungsfunke für Frieden"

Im gleichen Zug wird auch die Wasserquote für die Palästinenser im Westjordanland erhöht. "Heute haben wir gezeigt, dass wir gemeinsam daran arbeiten können, mehr Wasser verfügbar zu machen" , sagte der palästinensische Wasserminister Schaddad Attili, und sein israelischer Kollege Silwan Schalom sah darin "einen Hoffnungsfunken für künftige Abkommen über einen umfassenden Frieden in der Region" .

Allen drei Anrainervölkern liegt das Naturwunder Totes Meer am Herzen, dessen Spiegel jedes Jahr um einen Meter sinkt, weil das Regenwasser, das ihm durch den Jordan zufließen sollte, zum Trinken und für die Landwirtschaft verbraucht wird. Ihm soll ein 180 Kilometer langes Rohr jetzt Salzlauge zuführen, die als Abfallprodukt entsteht. Doch die Umweltorganisation "Friends of the Earth"  hält das Projekt für "weder ökologisch noch wirtschaftlich vernünftig"  – das zugeführte Salzwasser werde anders zusammengesetzt sein als jenes im Toten Meer und könne dieses "irreversibel verändern". (Ben Segenreich aus Tel Aviv /DER STANDARD, 12.12.2013)