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Bernhard Madoff

Foto: Reuters/Stapleton

Wien - Vor fünf Jahren ist das Schneeballsystem von Bernard Madoff aufgeflogen, nachdem er seinen Söhnen den Betrug gestanden hatte. Er wurde von einem US-Gericht zu 150 Jahren Haft verurteilt. Nun hat der Milliardenbetrüger dem "Wall Street Journal" ein Interview gegeben, in dem er erneut die Banken belastet. Sie sollen von seinem Betrug gewusst und sich jahrelang mitschuldig gemacht haben. Ein Wiener Anlegeranwalt und die FPÖ fordern nun, dass die österreichische Staatsanwaltschaft Madoff via Rechtshilfeersuchen zur Bank Austria befragen lässt.

Die Bank Austria hat in Österreich "Primeo"-Fonds verkauft, deren Gelder nie angelegt wurden, sondern bei Madoff versickerten. Zahlreiche Geschädigte haben deshalb die Bank Austria verklagt. Zusätzlich ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien in der Causa Madoff schon seit mehreren Jahren gegen ehemalige Manager der Bank Austria. Im November wurden die Untersuchungen auf den früheren Generaldirektor Gerhard Randa ausgedehnt.

Bank Austria selbst Opfer

Die Bank Austria hat stets betont, sie habe sich in der Causa Madoff nichts zuschulden kommen lassen. Man sei selbst Opfer des Milliardenbetrugs geworden. Die Zivilverfahren sind bisher sowohl für, als auch gegen die Bank Austria ausgegangen. Allerdings hat der Oberste Gerichtshof (OGH) fünfmal zugunsten der Beklagten entschieden, unter anderem stellten die Höchstrichter fest, dass die "Primeo"-Prospekte in Ordnung waren.

Der Wiener Anlegeranwalt Gottfried Thiery hingegen pocht auf eine Einvernahme Madoffs. Er solle befragt werden, ob und mit welchen Personen er in Österreich zusammengearbeitet habe, wie Thiery der "Presse" (Mittwoch) sagte.  Dieser Forderung schloss sich prompt auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache an. Die Wiener Blauen schießen sich seit dem Wahlkampf auf die Rolle der Bank Austria im Madoff-Skandal und mögliche SPÖ-Verbindungen ein - konkret auf die Verluste der "Anteilsverwaltung Zentralsparkasse" (AVZ), in der die Stadt Wien ihre Anteile an der Bank-Austria-Mutter UniCredit geparkt hat.

"Sie hat ja gemeinsam mit der Bank Austria die Betrugsfonds vertrieben und war mit 25 Prozent an der Vertriebsgesellschaft, der BAWFM (ehemalige Fondsvertriebstochter Bank Austria Worldwide Fund Management, Anm.) mitbeteiligt", so der Wiener FPÖ-Klubchef Johann Gudenus in einer Aussendung am Mittwoch. "Wenn kriminelles Verhalten nachgewiesen werden kann, dann muss man Häupls Stiftung, in die er 1,7 Milliarden Euro, Eigentum der Wienerinnen und Wiener eingebracht hat, auflösen."

Redseliger Madoff

Madoff selbst gab sich gegenüber der Journalistin des "WSJ" offenbar redselig, als sie ihn im Mai im Gefängnis in Butner im US-Bundesstaat North Carolina besuchte. Mithäftlinge und Gefängniswärter fragten ihn dauernd nach Investmenttipps und wollten sogar, dass er einen Vortrag darüber hält. Seine Anleger seien durchwegs intelligente Leute gewesen. "Sie haben mich die ganze Zeit gefragt, wie ich das mache. Ich habe mich geweigert, es ihnen zu verraten, aber sie haben trotzdem investiert", wird Madoff in dem nun im Dezember veröffentlichten "WSJ"-Artikel zitiert. Sein Schneeballsystem sei deshalb so lange gut gelaufen, weil er in der Branche als höchst glaubwürdig gegolten habe. Madoff war auf Du und Du mit dem Who is Who der New Yorker Finanzelite.

Die Aufsichtsbehörden hätten ihm laut eigener Einschätzung schon viel früher auffliegen lassen können, hätten sie die (fingierten) Vermögenswerte in den Depots überprüft. Die Banken hätten von dem Betrug gewusst. Bereits in einem im März geführten Interview mit der "Financial Times" (FT) hatte Madoff behauptet, seine frühere Hausbank JPMorgan Chase habe bewusst weggeschaut. Die US-Großbank steht allerdings Presseberichten zufolge ohnedies vor der nächsten Milliardenbuße wegen früheren Fehlverhaltens. Das Institut soll fast 2 Mrd. Dollar (1,45 Mrd. Euro) als Strafe zahlen, wie die "New York Times" in der Nacht zu Donnerstag unter Berufung auf mit dem Fall vertraute Personen auf ihrer Internetseite berichtete.

Geständnis unter Tränen

Was Madoff betrifft, so sagte dieser, seine Mitarbeiter hätten keine Ahnung gehabt. Sie hätten zwar Belege gefälscht, aber nichts von einem Betrug gewusst. Ausnahme sei sein früherer Finanzchef Frank DiPascali, der nun als Kronzeuge der US-Ermittler fungiert und sich auch schuldig bekennt. DiPascali musste am Dienstag in New York in einem Prozess gegen fünf frühere Madoff-Mitarbeiter aussagen, wie Reuters berichtet: Madoff habe ihm 2008 unter Tränen gestanden, was vor sich ging. "Ich bin am Ende. Ich habe kein verdammtes Geld mehr. Das ganze ist ein verdammter Betrug", soll ihm sein einstiger Chef anvertraut haben.

DiPascali zufolge schöpften aber auch frühere Mitarbeiter, die nun wegen Mithilfe zum Betrug angeklagt sind, Verdacht. Nach mehreren Prüfungen durch die US-Aufsicht SEC hätten sich zwei Programmierer 2006 besorgt über ihr eigenes Schicksal gezeigt, da sie für die Änderung von Belegen für die SEC zuständig gewesen seien. Er, DiPascali, habe versucht, die Bedenken zu zerstreuen, kurz darauf habe ein Treffen zwischen den Programmieren und Madoff stattgefunden. Danach habe Madoff DiPascali angewiesen, "ihnen alles anzubieten, was sie wollen". Letztendlich hätten sie eine stattliche Gehaltserhöhung bekommen, zuvor hatten sie Diamanten verlangt. "Woher bekomme ich einen Sack Diamanten?", hatte sich DiPascali gefragt.

Laut internen Dokumenten der Bank Austria, die die FPÖ im November verbreitet hat, hat ein ehemaliger Bank-Austria-Manager Bekanntschaft mit DiPascali gemacht. Demnach gab es in den Jahren 1998, 1999 und 2000 Treffen in den USA, bei dem auch Madoff und sein zwischenzeitig verstorbener Sohn Mark anwesend waren. (APA, 12.12.12.2013)