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Advent, Advent: das Bremslicht brennt.

Foto: apa/pfarrhofer

Ich weiß nicht, woran es liegt, aber es ist Ihnen sicher, gerade jetzt im Advent, auch schon aufgefallen. Es ist früh am Morgen, die Arbeit ruft – und dann: Stau. Alles verlangsamt sich auf Schrittgeschwindigkeit. Bestenfalls. Und sogleich zeigt sich ein merkwürdiges Phänomen.

Nämlich. Der Puls mancher Fahrer steigt rasant, über Verkehrsregeln legt sich ein Mantel des Unwissens, und Hupe und/oder Warnleuchte werden unkontrolliert betätigt. Ein sicheres Miteinander im Straßenverkehr wird zweitrangig, der Konkurrenzkampf rückt in den Vordergrund.

Verhaltensoriginell

Wer schlängelt sich am schnellsten durch die Blechschlange? Schreikrämpfe, persönliche Beleidigungen und diverse Fingerzeichen sind dabei längst nicht der Gipfel des Eisbergs. Sie erinnern sich an diese Axt-Attacke wegen provokanten Abbrems- und Überholmanövers? Das war doch einmal – äh: "verhaltensoriginell" . Anscheinend bewirkt so mancher Stau, sonst unterdrückte Wesenszüge freizulegen sowie seelisch angestauten Ballast loszuwerden.

Da mutierte dieser Tage auch eine ruhige, ausgewogene Freundin zur cholerischen Furie, die reinste Metamorphose. Ein Kafka hätte seine Freude gehabt.

Es hilft nicht

Aber warum um Himmels willen muss die psychische Entladung gerade hier stattfinden? Ungezügelte Emotionen und ein Gaspedal sind zwei Dinge, die sich gar nicht vertragen. Außerdem: Helfen tut das alles ohnehin nichts. An der Verkehrssituation lässt sich so oder so nichts ändern. Vielleicht jedoch an seiner Einstellung? Stichwort: Weihnachtsfrieden. (stal, DER STANDARD, 13.12.2013)