Die Wissenschaft wird der Wirtschaft einverleibt. Dies ist fatal, weil die Wissenschaft und die Wirtschaft diametral entgegengesetzte Strukturprinzipien haben. Wirtschaft produziert Güter und Dienstleistungen. Ihre Ziele sind die Befriedigung (materieller) Bedürfnisse und der materielle Gewinn. Im Mittelpunkt steht die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Leistung.

Dem gegenüber ist die Messlatte "wirtschaftliche Verwertbarkeit" der Tod von Wissenschaft und Forschung. Diese haben Neugierde, Entdecker- und Erfindergeist, Erkenntnis um der Erkenntnis willen, den unvermeidlichen Umweg, die Sackgasse, Versuch und Irrtum als Strukturprinzipien, und erst nach längerem Weg - von der Grundlagenforschung über die angewandte Forschung und Produktentwicklung - geht es zur wirtschaftlichen Verwertbarkeit.

Nicht umsonst haben wir zwei unterschiedliche Förderfonds, nämlich für Grundlagenforschung und für angewandte Forschung. Das heißt nicht, dass Wissenschaft und Forschung verwertungslos sind. So haben Weltraumforschung und Weltraumtechnologie über 1000 Spin-offs ausgelöst, ohne auf diese Verwertbarkeit geschielt zu haben.

Es ist schlimm, dass das Wissenschaftsministerium aufgelöst wird, ein fachlich kundiger Minister in die Wüste geschickt wird, die Wissenschaft als Rangiermasse im Machtpoker fungiert. Aber noch schlimmer ist dieses Signal: Wissenschaft wird der Wirtschaft einverleibt und in der Koppelung mit Wirtschaft dem Diktat wirtschaftlicher Verwertbarkeit unterworfen. (Christian Brünner, DER STANDARD, 17.12.2013)