Das Album beginnt mit tiefergelegten Akkorden auf der Gitarre und wuchtigen Rhythmen. Der Computer zischelt, wenn der Fürst der Finsternis ein Fußbad in der Schlangengrube nimmt. Bald werden satanische Mönche tief unten im Keller mit kehlig-donnergurgelndem Schwanengesang ihrem Unbehagen Ausdruck verleihen, immer nur unter Energiesparlampen arbeiten zu müssen, wenn sie mit der Welt ein Hühnchen zu rupfen haben.

Jemand hat nun beim Headbangen unabsichtlich auf dem Geschwindigkeitsregler der elektronischen Rhythmusmaschine das Tempo auf Maximum geschoben. Der Sänger wechselt von bedrohlichem Geheule auf verzweifeltes Japsen. Ein Tenorsaxofon brüllt unter Schmerzen. Lungenriss! Morgen Mittag nach dem Gig und anschließender Endzeitparty in einer lokalen Absackerhütte wird es kein Jazzfrühstück mit Marlboro, Espresso und Fernet geben, sondern Früchtetee und Schweigegelübde bis zur Dämmerung.

Im Tourbus hört man später auf dem Weg in die nächste Stadt, die mit Musik zerstört werden soll, die Einstürzenden Neubauten und alte Industrialrocker wie Ministry oder NIN. Die gelten zwar mit ihren bekömmlichen Mitbrüllmelodien als die Abba des Genres. Aber selbst der härteste Apokalyptiker braucht einmal Momente der Sicherheit und Ruhe.

Gitarrist Scott Kelly kennt man sonst von Neurosis, den US-Altmeistern der kontrollierten epischen Härte, oder auch von seinem Black-Sabbath-Verehrungsprojekt Shrinebuilder. Mit Corrections House, dem auch noch Mike IX_Williams von Eyehategod oder Sanford Parker von Nachtmystium angehören, liegt mit Last City Zero eines der überzeugendsten Alben des Jahres im Bereich der harten Männer in Schwarz, mit Vollbart und dem unbedingten Willen zur Unerbittlichkeit vor.

Im Vorprogramm dabei: US-Soundkünstler und Dröhnweltmeister JR Robinson alias Wrekmeister Harmonies. (schach, DER STANDARD, 17.12.2013)