Gennaro Gattuso ist empört: "Ich bin verärgert und beleidigt. Ich bin ruhig und werde alles klären. Ich will keine Flecken auf meiner Karriere." Am Dienstag ist bekannt geworden, dass auch gegen den Weltmeister von 2006 Ermittlungen wegen der Manipulation von Spielen in der Serie A eingeleitet worden sind. "Ich habe in meinem ganzen Leben nie gewettet und bin überzeugt, dass sich alles aufklären wird", sagte der 73-malige Nationalspieler.

Die Staatsanwaltschaft der norditalienischen Stadt Cremona spricht von bis zu 30 Spielen, die in den letzten Jahren verschoben wurden. In einer großangelegten Razzia wurden vier Verdächtige festgenommen. Trotz der Untersuchungen wegen Absprachen und illegaler Wetten, die seit 2011 in der sogenannten "Calcioscommesse"-Affäre im Gange sind, seien die Praktiken auch in dieser Saison nicht abgestellt worden.

700.000 für ein Spiel

"Alles ist wie immer weitergegangen", klagte der Staatsanwalt von Cremona, Roberto De Martino, bei einer Pressekonferenz. Vier Männer wurden festgenommen, sie sollen zwischen Wett-Betrügern und Spielern vermittelt haben. Sie verlangten nach Angaben von Staatsanwalt Roberto di Martino zwischen 600.000 und 700.000 Euro für die Manipulation eines Spiels. "Die Summe beinhaltete das Honorar für die Vermittlung und das Geld, das nötig war, um Verantwortliche und Spieler zu schmieren", sagte er laut Nachrichtenagentur ANSA. Den Verdächtigen wird kriminelle Vereinigung mit dem Ziel des Sportbetrugs vorgeworfen.

Zu den verdächtigen Spielen zählen laut De Martino das Spiel Palermo gegen Inter, das am 28. April 2013 mit 1:0 geendet hat. Der ehemalige Palermo-Coach Giuseppe Sannino bestritt jedoch, dass das Match manipuliert worden sei.

Hausdurchsuchungen

Neben Gattuso ist auch seine ehemaliger Milan-Teamkollege Cristian Brocchi (37) ins Visier der Ermittler geraten. Beide sollen im Kontakt den Vermittlern gestanden sein, die Spiele zur Manipulation angeboten haben. Bei nächtlichen Razzien in insgesamt 16 Häusern sollen auch die Wohungen von Gattuso und Brocchi betroffen gewesen sein.

Gattuso (35) kann sich die Vorwürfe nicht erklären: "Es ist absurd und unglaublich. Ich weiß nicht, was man von mir will. Ich weiß nicht, was es bedeutet, ein Match zu manipulieren", sagte Gattuso: "Ich wüsste nicht einmal, wo man damit beginnen sollte."

Der italienische Fußball wurde in den vergangenen Jahren immer wieder von Enthüllungen über manipulierte Spiele und Wettbetrug erschüttert. Dutzende Verdächtige sind bisher festgenommen worden, zudem wurden mehrere Vereine mit Punkteabzügen bestraft und Juventus Turin die beiden Meistertitel aus den Jahren 2005 und 2006 aberkannt. Zahlreiche Spieler sind wegen ihrer Beteiligung gesperrt worden. (APA/sid/red; 17.12.2013)