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Danièle Nouy

Foto: REUTERS/Yves Herman

Frauen in Spitzenpositionen sind in der Banken- und Finanzwelt sehr rar gesät. Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, und die eben aus dem Amt geschiedene Finanzministerin Maria Fekter waren seit Jahren die wenigen, die bei den "Familienfotos" der Eurogruppe zwischen Männern in dunklen Anzügen Aufstellung nahmen.

Das wird sich durch Danièle Nouy im November 2014 nicht umfassend, aber um einen wichtigen machtpolitischen Akzent ändern. Dann tritt die 63-Jährige - wie Lagarde eine Französin - offiziell ihren Job als Chefin der neuen gemeinsamen Euro-Bankenaufsicht unter dem Dach der Europäischen Zentralbank (EZB) an. Die EU-Finanzminister haben sie vorgeschlagen, das Europaparlament hat sie, die seit fast zehn Jahren die nationale Bankenaufsicht in Frankreich leitete, mit großer Mehrheit bestätigt.

Krisenbewältigung

Nouy übernimmt eine der wichtigsten Krisenbewältigungsaufgaben im Euroraum. Die Schieflagen der Banken waren es unter anderem, die einige EU-Mitgliedstaaten seit 2008 beinahe in den Abgrund und in die Budgets große Löcher gerissen haben. Die Geldindustrie eng an die Leine zu nehmen war eine der Schlüssellehren aus der Krise - mit der Aufsicht startet die künftige Bankenunion. Auf sie wartet Schwerarbeit: Nouy muss die nationalen Aufsichtsbehörden koordinieren. Ihre Behörde soll am Ende in Frankfurt 2000 Mitarbeiter haben, mehr als 6000 Banken kontrollieren. Stresstests für die 130 größten Institute kommen als Erstes.

Klarheit und Transparenz hätten Priorität, sagte Nouy bei der Anhörung im EU-Parlament. Ein "mächtiges Instrument" wolle sie dirigieren. Nouy stammt aus der Bretagne. Bretonen gelten als hartnäckig und aufsässig. Die Herren von Deutsche Bank & Co müssen sich warm anziehen. Fachlich ist sie bestqualifiziert, und sie hat vollen politischen Rückhalt für die Unabhängigkeit der in Zukunft grenzüberschreitenden Aufsicht.

Danièle Nouy ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter - kein Widerspruch für eine Spitzenkarriere in Frankreich. Zu Beginn hat sie Politik an der Elitehochschule "Sciences Po" absolviert, dann ein Studium der Rechtswissenschaft, ehe sie in der Nationalbank zu arbeiten begann. Ab 1986 war sie in der nationalen Aufsichtsbehörde tätig, leitete später den Basler Ausschuss für Bankenaufsicht. Eine Musterkarriere - mit einem schwarzen Punkt: Den Zusammenbruch der Dexia-Bank hat sie 2000 nicht kommen sehen. (Thomas Mayer, DER STANDARD, 18.12.2013)