Sie können ja, wenn man sie lässt. Heute gibt es einmal keinen Frontalunterricht am Institut für Informatik. Die Studentinnen präsentieren, was sie in Kleingruppen ausgearbeitet haben. Bei der Aufgabe ging es um die Entwicklung einer App für einen Versicherungskonzern. Also praktisch aus dem Leben gegriffen. Die Frage war, was es alles zu beachten gilt, wenn das E-Commerce-Gesetz, das Konsumentenschutzgesetz sowie das Datenschutzgesetz berücksichtigt werden. Ganz schön haarig.

Powerpoint ist langweilig

Die erste Gruppe, bestehend aus einer Frau und zwei Männern, präsentiert alle Aspekte, die das E-Commerce-Gesetz betreffen. Eine Powerpoint-Präsentation wird gestartet, und ich frage mich, ob das das geeignete Mittel ist, um irgendetwas zu präsentieren. Powerpoint ist immer langweilig. Immer. Dabei hat die Gruppe inhaltlich gut gearbeitet. Zum Beispiel, was die Frage des Hostings betrifft. Es geht um den Ausschluss der Verantwortlichkeit bei der Speicherung fremder Inhalte. Die Betreiber eines Servers sind im privatrechtlichen Sinn nicht verantwortlich für die Inhalte, so erfahren wir.

Das gelte, so schaltet sich der Professor ein, aber nicht für die strafrechtlichen Implikationen. Er möchte etwas auf die Tafel schreiben, allein, es findet sich kein Stift. An so banalen Dingen kann es manchmal scheitern! Da springt ein Student ein. Er weiß, in welcher Lade die Marker versteckt sind, mit denen auf diese Tafel geschrieben werden kann. Die Fragen der Haftung, so lernen wir, sind im privatrechtlichen Sinn in den allgemeinen Geschäftsbedingungen geregelt. Im strafrechtlichen Sinn haftet der Hoster nur, wenn er von verbotenen Inhalten weiß. Dann muss er sie anzeigen beziehungsweise abstellen. Was aber, wenn er nicht davon weiß? Hätte er dann wissen müssen? Oder darf er sich blöd stellen?

Was, wenn auf einmal, sagen wir, neonazistische Inhalte auftauchen? Diese Frage führt in diesem Kontext zu weit, es geht ja um die Entwicklung einer App für einen Versicherungskonzern. Der Prof führt die Diskussion wieder an den Ausgangspunkt zurück, schließlich soll auch das Konsumentenschutzgesetz durchgenommen werden. Die Bedeutung der Informationserklärung wird hervorgestrichen und Fragen der Gewährleistung sowie der Garantie besprochen. Fällt ein Update für die Fehlerkorrektur unter die Gewährleistung, oder auch eine Weiterentwicklung einer App? Das sind wichtige Fragen für die angehenden Programmierer, denn wie sagt der Vortragende so schön: „Bugfree software doesn't exist!"

Damit entlässt er uns auch schon in die Weihnachtsferien – oder zur Demo gegen die Abschaffung des Wissenschaftsministeriums. (Tanja Paar, derStandard.at, 18.12.2013)