Wien - Zwei hoch dotierte Förderpreise des Europäischen Forschungsrats (ERC) wurden in Österreich tätigen Wissenschaftern zuerkannt: Der Philosoph Martin Kusch von der Uni Wien erhält einen mit 2,5 Millionen Euro dotierten "Advanced Grant". Michael Obersteiner vom Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) ist Teil eines internationalen Teams, das einen mit 13,6 Millionen Euro dotierten "Synergy Grant" erhält.

Martin Kusch

Der in Deutschland geborene Kusch ist seit 2009 Professor für Angewandte Wissenschaftstheorie und Theorie des Wissens an der Universität Wien. Er widmet sich vor allem der sozialen Erkenntnistheorie, der Wissenschaft als soziales und politisches Phänomen und der Philosophie Wittgensteins.

Das Projekt des Kuschs ("The Emergence of Relativism - Historical, Philosophical and Sociological Perspectives") zielt auf ein besseres Verständnis von relativistischen Positionen, teilte die Uni Wien am Mittwoch in einer Aussendung mit. Für Relativisten gibt es keinen neutralen Standpunkt, von dem aus ein System als das allein richtige ausgewiesen werden kann. Urteile können demnach nur relativ auf ein System von Standards wahr oder falsch, gerechtfertigt oder ungerechtfertigt sein. Kusch ist nach Herlinde Pauer-Studer der zweite ERC-Advanced Grant im Bereich Philosophie.

Michael Obersteiner

Mit den im Vorjahr erstmals ausgeschriebenen "Synergy Grants" will der ERC wegbereitende Pionierforschung von kleinen Gruppen von Forschern mit einander ergänzenden Fähigkeiten und Kenntnissen fördern. In der zweiten Ausschreibungsrunde, deren Ergebnisse heute, Mittwoch, veröffentlicht wurden, erhalten 13 Teams mit insgesamt 45 Wissenschaftern diese Preise mit in Summe 150 Millionen Euro.

Der gebürtige Kärntner Michael Obersteiner, seit 1993 am Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien tätig und dort Leiter des "Ecosystems Services and Management Program", wird gemeinsam mit Kollegen aus Spanien, Belgien und Frankreich die zunehmenden durch Düngemittel verursachten Umweltprobleme untersuchen.

Konkret sollen die aktuellen Veränderungen in den Bilanzen von Kohlenstoff, Phosphor und Stickstoff in verschiedenen Ökosystemen sowie deren Auswirkungen auf Lebewesen erkundet werden. Dazu ist u.a. ein Makroexperiment im Regenwald von Französisch-Guyana geplant. Das Projekts wird sich speziell dem knappen, aber - etwa als Dünger - lebensnotwendigen Phosphor widmen und möglichen Effekten eines Phosphormangels auf die Nahrungsmittelsicherheit. (APA/red, derStandard.at, 18. 12. 2013)