Bild nicht mehr verfügbar.

Soziales Wohnen ganz in Holz in der Via Cenni in Mailand.

REUTERS

Nach jahrhundertlangem Schattendasein wird Holz als Baumaterial in Mailand neuerdings "in". Nicht nur für Fußgängerübergänge in der City, Kindergärten, Kuppelausbau von Kirchen, den Ausbau von Dachgeschoßen und Fußböden - neuerdings auch für Sozialwohnungen. So wurde etwa Ende November in der Via Cenni nahe dem Fußballstadion San Siro ein Wohnkomplex aus Holz eröffnet. Es ist der höchste Sozialwohnbaukomplex aus Holz in Europa.

Neue Sozialwohnungen mit Private-Public-Partnership seien in Planung, versprach Vizebürgermeisterin Ada Lucia De Cesaris bei der Einweihung des neunstöckigen Wohnkomplexes aus Holz. Ehrgeizige Pläne verfolgt auch die norditalienische Region Piemont mit ihrem kürzlich präsentierten Projekt "Cluster Legno Piemonte". Dahinter verbirgt sich ein Konsortium, das primär die innovative Anwendung von Holz fördert.

Seit 2008 bestehen in Italien keine Höhenlimits für Holzbauten mehr: Bis dahin waren Holzbauten auf drei Stockwerke beschränkt. Zusätzlich hat die frühere Regierung Monti 2011 noch bürokratische Vereinfachungen für die Bewilligung von Holzbauten beschlossen: Seit zwei Jahren muss die oberste Baubehörde keine Sonderzustimmung mehr für Holzbauten erteilen.

Von den vereinfachten Regeln profitieren vor allem in Norditalien Hotels, Kindergärten und Fußgängerübergänge. In Mailand sind allein in den vergangenen Monaten drei neue Kindergärten ganz aus Holz errichtet worden. Furore hat auch der hölzerne Fußgängerübergang im neuen Wohnviertel Milano 3 gemacht. Ein neues "Holzhotel" entsteht in unmittelbarer Nähe des Flughafens Treviso. Das Projekt, von der Gruppo Fon Architetti entworfen, basiert anders als das Mailänder Sozialwohngebäude nicht auf der Sperrholztechnik. Es handelt sich vielmehr um eine Holzmodularstruktur, wo die einzelnen Holzteile ähnlich wie Legobausteine eingefügt werden.

Das Projekt in der Mailänder Via Cenni ist in einer Rekordzeit von 18 Monaten errichtet worden. Die vier neungeschoßigen Bauten aus Holz haben eine Gesamtfläche von 17.000 m2. Österreichische Unternehmen waren bei der angewandten Technologie (BSP, XLAM) und bei der Lieferung von Brettsperrholz federführend. Insgesamt wurden in dem Komplex 6100 m3 Brettsperrholz verbaut.

In den vier jeweils 27 Meter hohen Türmen sind insgesamt 123 Wohnungen untergebracht. Die Baukosten lagen um gut ein Drittel unter den sonst üblichen durchschnittlichen Kosten. "Auf dem Mailänder Immobilienmarkt ist eine kleine Bombe geplatzt", kommentierte Luca Pagni in der Tageszeitung La Repubblica die relativ niedrigen Kosten und den hohen Nachhaltigkeitswert. Die Miete für eine Zweizimmerwohnung mit 75 m2 Wohnfläche beträgt 450 Euro im Monat. Das entspricht etwa der Hälfte der in dieser Gegend üblichen Durchschnittsmieten.

Kein Wunder, dass die Nachfrage nach den Holzbausozialwohnungen das Angebot um ein Vielfaches übertraf. Rund 40 Prozent der Wohnungen wurden zu vergünstigten Mietpreisen, zehn Prozent zu Sozialpreisen, weitere 40 Prozent mit der Möglichkeit vergeben, die gemietete Wohnung in Zukunft zu erwerben. 15 Wohnungen wurden dem tertiären Sektor vorbehalten. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 19.12.2013)