Wenn sich kurz vor Weihnachten ein Kardinal mit der Bitte um Barmherzigkeit für eine in diesen Tagen besonders notleidende Randgruppe zu Wort meldet, sollte uns das nicht kaltlassen. In einer Presseaussendung wendet sich Christoph Schönborn gegen das hierzulande grassierende "Politiker-Bashing", welches er als "müßig" empfindet.

Eine zutiefst christliche Botschaft, die den Geist der Worte Jesu "Die Zöllner und Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr" zu atmen scheint. Andererseits könnte man das Wort "müßig" in diesem Zusammenhang als mehrdeutig interpretieren, beschreibt es doch meist einen Vorgang, der nicht per se falsch, sondern vielmehr zwecklos ist. Ein Verdacht, der sich noch verstärkt, wenn man in Schönborns fast zeitgleich veröffentlichtem "Sonntagsevangelium" in der Kronen Zeitung einen Kommentar zu den jüngsten Entwicklungen heimischer Innenpolitik erkennen will. Unter dem Titel "Trost in dunkler Stunde" eröffnet er nämlich mit der bemerkenswerten Frage: "Wenn es einen Gott gibt, wie kann er das zulassen?"

Wie auch immer es gemeint sein mag, die "müßig gebashten" Volksvertreter dürften es jedenfalls als Unterstützung von kirchlicher Seite aufgefasst haben. Der neue Landwirtschaftsminister bedankte sich sogleich in Form eines Amtsgelöbnisses "Vor dem heiligen Herz Jesu Christi" - eine starke Ansage, die darauf hoffen lässt, dass der Tiroler dem unheiligen, Recht und Anstand ignorierenden Treiben der Agrargemeinschaften in seinem Bundesland entschlossen Einhalt zu gebieten gedenkt.

An sich ist es natürlich praktisch, wenn Kritik an einer Berufsgruppe - egal, ob berechtigt oder nicht - unter "Bashing" subsumiert wird. Das erspart die oft anstrengende differenzierende Auseinandersetzung und verleiht Debatten einen inhaltslosen Ritualcharakter. So läuft beispielsweise die Diskussion um das neue Lehrerdienstrecht dank gegenseitiger Bashing-Vorwürfe nur noch nach den Prinzipien Pawlow'scher Reflexe. Eine Hand basht die andere, was sich für den Außenstehenden letztlich wie affirmativer Applaus anhört, und zur Folge hat, dass interessante Zwischentöne nicht wahrgenommen werden.

Etwa wenn Lehrergewerkschafter Paul Kimberger in einem Österreich -Interview ganz nebenbei ein gravierendes Problem auf den Punkt bringt: "Wir haben Leute dabei, die besser einen anderen Beruf ergreifen hätten sollen. Aber sie einfach zu feuern, damit kann ich mich nicht anfreunden." Man stelle sich Kimberger im Spital liegend vor, wie er von seinem behandelnden Arzt erfährt, dass seine bevorstehende Operation von "Leuten, die besser einen anderen Beruf ergreifen hätten sollen, aber deswegen nicht gefeuert werden" durchgeführt wird.

Nicht Miss-, sondern Hochachtung vor dem Lehrerberuf verlangt danach, anstelle von Versetzungen Kündigungen auszusprechen. Die Schule, an der ein Geschichtsprofessor unterrichten soll, der missliebige Journalistinnen "sterilisieren" und Redaktionen "anzünden und einäschern" will, existiert nicht.

Von der Politik ist diesbezüglich leider keine Vorbildwirkung zu erwarten. Im Gegenteil: Am Montag wurden Maria Fekter zur Kultur- und Laura Rudas zur Bildungssprecherin ernannt. (Florian Scheuba, DER STANDARD, 19.12.2013)