Ein wenig gespannt ist man in Berlin schon, wann es denn in der neuen Regierung zum ersten Mal so richtig kracht. Denn im Kabinett sitzt jemand, der Spezialist für deutliche Aussprache ist: Alexander Dobrindt, vormals CSU-Generalsekretär, jetzt Verkehrs- und Internetminister.

Der 43-Jährige aus dem oberbayerischen Peißenberg zählt zu den Newcomern in der Bundesregierung – und auch zu den Gewinnern. Von den drei nicht unbedingt schwergewichtigen CSU-Ministerien (Verkehr, Agrar, Entwicklung) bekam er von
CSU-Chef Horst Seehofer noch das prestigeträchtigste anvertraut.

Studiert hat er Soziologie (in München), eingetreten in die CSU (wegen Franz Josef Strauß und Helmut Kohl) ist er 1990. Es folgt der Aufstieg auf der Lokalebene, 2002 zieht er erstmals in den Bundestag ein. Einer breiteren Öffentlichkeit wird er 2009 bekannt, als Seehofer rasch einen CSU-Generalsekretär braucht, weil Karl-Theodor zu Guttenberg in Berlin Minister wird.

Dobrindt übernimmt und hat fortan mit Seehofer nur ein Ziel: 2013, bei der Landtagswahl, soll die CSU die Absolute zurückholen, was dann auch gelingt. Dafür ist ihm jeder Spruch recht, keiner holzt so wie Dobrindt. Die schwarz-gelbe Regierung beschimpft er als "Gurkentruppe" , EZB-Chef Mario Draghi als "Falschmünzer" , den damaligen Linkenchef Klaus Ernst einen "politischen Quartalsirren" .

Besonders abgesehen hat er es auf die Grünen. Sie sind für ihn "der politische Arm von Krawallmachern und Brandstiftern" . Grünenpolitiker Volker Beck bezeichnet er als "Chef der Pädophilen-AG" , dafür allerdings erlässt das Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung gegen ihn.

Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel, der jetzt mit ihm in der Regierung sitzt, bekommt sein Fett weg. Ihn nennt Dobrindt "übergewichtig und unterbegabt" . Dobrindt selbst vollzog seit 2009 eine sichtbare Metamorphose. Er nahm 20 Kilogramm ab, kleidet sich heute in taillierten Nadelstreif und trägt eine schicke Brille.

Dass er nicht unbedingt aus der liberalen Ecke der CSU kommt, zeigt seine Einstellung gegenüber Homosexuellen: "Eine schrille Minderheit."  Als Verkehrsminister soll er Seehofers Lieblingsprojekt – die Pkw-Maut für Ausländer – umsetzen und die Digitalisierung Deutschlands vorantreiben.

Aufholbedarf in eigenen Netzangelegenheiten gibt es durchaus. Dobrindt twittert nicht, seine Facebook-Seite betreut er wenig, und er hat dort nur 3300 Fans. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 19.12.2013)