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Alles muss funkeln, und manchmal gibt es programmierte Störmomente: US-Superstar Beyoncé ist sehr selbstbewusst.

Foto: EPA/NICK FARRELL

Wien - Zuletzt hatte man von Beyoncé Anfang Dezember gehört. Damals ließ die 32-jährige Sängerin verlauten, dass sie und ihr angetrauter Mann Jay-Z ab sofort bis Weihnachten einen veganischen Lebensstil führen würden, um sich körperlich und geistig zu reinigen. Das Wissen um derartige Dinge kann man nicht ausschließlich damit entschuldigen, dass man alle drei Monate in den Salon Gabi geht, um sich eine neue gachblonde Mesche machen zu lassen. Dort werden einem dann die einschlägigen Herzblätter mit Neuem aus der Welt der Prominenten förmlich aufgedrängt.

Hilfreich können auch in der Wohnung abchillende Teenagerinnen sein, die zum Beispiel zu berichten wissen, dass Beyoncé nur rotes Toilettenpapier verwendet und ihre Tänzerinnen ausschließlich glücklich gewebte Baumwolle auf der Bühne tragen dürfen. Dies führt zu dem berechtigten Einwand eines sehr gern nicht nur im Salon Gabi Fachzeitschriften lesenden Elternteils, nicht alles glauben zu dürfen, was in der Bravo steht. Dies erstaunt wiederum den anderen Elternteil, dass es die Bravo anscheinend noch immer gibt, weil, wer liest denn freiwillig banale Klatschgeschichten?

Wir sehen, Beyoncé ist so sehr in der gesellschaftlichen Mitte angekommen, dass alle etwas mit ihr anfangen können. Ob sie wollen oder nicht. Und sie macht natürlich nicht nur Fotosessions mit Paparazzi. Beyoncé ist auch der derzeit einzige Weltstar im Pop, den es dankenswerterweise bis jetzt noch nicht nach Hollywood gezogen hat, um dort in schrecklichen Filmen Schauspiel zu simulieren. Okay, sie spielte in Dreamgirls und in einer Neudeutung von Der rosarote Panther. Aber wir verzeihen ihr das!

Weiters scheint es bei im letzten Jahr Mutter einer Tochter gewordenen Texanerin keine Verhaltensauffälligkeit oder Drogensüchte oder irgendwelche Borisbeckereien zu geben. Sie geht als cooler Popstar für die ganze Familie durch und wird nicht nur von den Teenagerinnen, sondern auch von einem Elternteil geschätzt.

Tatsächlich ist es so, dass Beyoncé nun ohne Vorwarnung ein leicht nachvollziehbar betiteltes Album namens Beyoncé online veröffentlicht hat und in einer Woche bei iTunes über eine Million Downloads verbuchen kann. Weltrekord. Auf Beyoncé bekommt man dann auch jede Menge selbstbewusster weiblicher Superstar für sein Geld.

Immerhin gilt Frau Beyoncé Knowles-Carter nicht einfach nur als konsensfähiger Popstar für Teenies und Erwachsene. Schon seit Zeiten ihres Trios Destiny's Child geht es immer wieder auch um als heitere Schlagersoul-Banalität getarnten Feminismus. Der Song Girls (Run The World) und Single Ladies seien erwähnt oder später solo Me, Myself & I. Auch das neue Album, das ein Hit werden wird, obwohl man sich kaum ein Lied länger als für die Hördauer merken kann, strotzt vor Selbstbehauptung einer afroamerikanischen Frau, die damit vielen ein Vorbild wurde und deren symbolisches Kapital deshalb mindestens so schwer wiegt wie ihre gar nicht einmal so schwerwiegende Musik, bei der auch 2013 mit vielen Uhs und Yeahs und U-Hu-Yeah-Yeahs outriert werden darf.

Produziert von Leuten wie Timbaland und Pharell Williams sind deshalb auch andere Superstars gern gekommen, um Gesangsbeiträge beizusteuern, weil man eben auch als Superstar immer wieder gern Geld mit seiner Tätigkeit im eigentlichen Kerngeschäft, nämlich der Musik verdient und nicht nur Modelabels am Laufen hat oder in schrecklichen Filmen in Hollywood mitspielt. Justin Timberlake macht mit, die früheren Kolleginnen bei Destiny's Child, Kelly Rowland und Michele Williams sind dabei, es sind aber auch junge hippe Kollegen aus dem Spannungsfeld zwischen R'n'B und HipHop wie Frank Ocean und Drake an Bord.

Ein bisschen real sein

Alles funkelt, ruckelt, schunkelt, ist auf Hochglanz poliert, aber dann absichtlich mit den nötigen Kratzern, Dellen und "Roughness" versehen, um glaubhaft seine Zeitgenossenschaft in der Realität und nicht in irgendwelchen kugelsicheren Penthouses oder Ferienhäusern für Oligarchen zu vermitteln.

Beyoncé hängt zwar mit komischen Leuten wie Kanye West und Kim Kardashian herum und zieht im Gegensatz zu uns ein Paar Stöckelschuhe möglicherweise nicht zwei Mal im selben Jahrzehnt an, aber: Sie ist eine von uns!

Leider Gottes wird die Freude, die auch in zwischen New York, Paris und Rio gedrehten Videos dokumentiert wird, von einem Sturm der feministischen Entrüstung getrübt, der ihr derzeit im Netz entgegenweht. Im Song Drunk In Love rappt Göttergatte Jay-Z troglodytisch, dass er jetzt gleich seiner Frau einen Kuchen ins Gesicht schlägt und sie wie einst der gewalttätige Ike Turner seine Frau Tina Turner zwingen wird, ihn zu fressen. Sonst gibt es nämlich Schläge: "Baby know, I don't play... I'm Ike Turner ... now eat the cake Anna Mae." Der Rap ist nicht ironisch zu lesen. Im dazugehörigen Video spricht die deswegen sichtlich erregte Beyoncé den Text mit. Die Teenagerinnen und Elternteile daheim sind deshalb etwas verstört. (Christian Schachinger, DER STANDARD, 21./22.12.2013)