Kurz und schmerzlos werde die Mission sein, versprach François Hollande im Dezember, als die Uno grünes Licht für die Friedensoperation in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) gab. Doch der zweite Streich des französischen Präsidenten nach dem Mali-Einsatz wird immer mehr zur unmöglichen Mission. Den 1600 Elitesoldaten gelingt es nicht, die muslimischen und christlichen Streitparteien zu trennen.

In der Hauptstadt Bangui pa­trouillieren die Fremdenlegionäre und Fallschirmjäger nur in den breiten Hauptachsen. Ins Gassengewirr der einzelnen Viertel wagen sie sich nicht. Und dort ging das Morden auch zu Weihnachten weiter zwischen muslimischen Seleka-Rebellen – die bei ihrem Staatsstreich im März die Macht im Land erobert hatten – und den christlichen Selbstverteidigern. Diese Anti-Balaka ("Gegen-Macheten") töteten zuletzt auch fünf tschadische Soldaten der afrikanischen Uno-Mission Misca.

Undurchsichtige Rolle Débys

Die Tschader werden von der christlichen Bevölkerungsmehrheit verdächtigt, mit ihren muslimischen Glaubensbrüdern gemeinsame Sache zu machen. Im Hintergrund soll der tschadische Präsident Idriss Déby die Fäden ziehen. In Mali halfen seine wüstenerprobten Truppen im Frühjahr noch den Franzosen, die Islamisten zu vertreiben. In Zentralafrika gelten die tschadischen Soldaten aber als Teil des Problems. Laut einer schriftlichen Übereinkunft sollten sie Bangui verlassen und den Norden sichern. Doch in Zentralafrika herrscht keine Absprache, sondern Anarchie. Seit dem Beginn der französischen Mission Sangaris sollen in Zen­tralafrika tausend Menschen getötet worden sein, zehntausende Zivilisten sind auf der Flucht.

Die nach einem lokalen Schmetterling benannte Operation stand von Beginn an unter einem schlechten Stern. Nachdem die Uno den Franzosen das Plazet gegeben hatte, lancierten christliche Anti-Balaka-Milizen gleich eine überraschende Offensive. Denn sie rechneten damit, dass die Franzosen auf ihrer Seite stünden, um generell den Vormarsch des Islam südlich der Sahara zu stoppen.

Der Parteinahme bezichtigt

Damit sind aber nicht mehr nur die Seleka die Aggressoren, sondern auch die Christen. Die französischen Soldaten sehen sich ihrerseits der Parteinahme bezichtigt und wissen selbst nicht mehr recht, wen sie entwaffnen sollen.

Angesichts dieser fast schon surrealen Lage, in der nur der Tod sehr real ist, mehrt sich auch in Frankreich Kritik an dem "anfangs unterschätzten"  Truppeneinsatz, wie Le Figaro urteilt. "Man hätte die Affäre ernster nehmen sollen" , meint das konservative Blatt und unterstellt Hollande, er habe nach seinem Erfolg in Mali einen weiteren Militärschlag geplant, um innenpolitisch zu punkten.

Aber auch die dem Präsidenten eher gesonnene linke Libération nennt die Operation Sangaris nun "ein französisches Scheitern" . Im Unterschied zu den zehn früheren ZAR-Einsätzen der ehemaligen Kolonialmacht, die nur immer neue Diktatoren wie "Kaiser"  Bokassa eingesetzt hätten, wünsche Hollande immerhin die Rückkehr zur Demokratie, kommentierte das Blatt. Bloß gebe es in Zentralafrika gar keinen Staat mehr, der Wahlen organisieren könnte. (Stefan Brändle aus Paris/DER STANDARD, 28.12.2013)