Beirut - Einen Tag nach dem Bombenanschlag haben Regierungstruppen und Milizen der schiitischen Hisbollah-Bewegung die Sicherheitsmaßnahmen im Süden der libanesischen Hauptstadt Beirut am Freitag deutlich verstärkt. Die Armee errichtete an den Zugängen zur schiitischen Vorstadt Haret Hreik Kontrollpunkte. Im Stadtteil selbst kontrollierten Bewaffnete der Schiiten-Miliz Autos auf Waffen und Sprengstoff.

Der Anschlag am Donnerstag hatte sich in etwa 200 Metern Entfernung vom Hauptquartier der Hisbollah in Haret Hreik ereignet. Nach jüngsten offiziellen Angaben waren dabei sechs Menschen getötet und mehr als 70 weitere Menschen verletzt worden. In dem Stadtteil befinden sich auch zahlreiche Kommandozentralen der Hisbollah-Miliz sowie das Sendehaus der Hisbollah-Fernsehanstalt Al-Manar. Zu dem Anschlag bekannte sich bisher niemand.

Hisbollah warnt vor "Zerstörung" des Landes

Die Hisbollah warnte unterdessen vor einer "Zerstörung" des Landes. Eine "politische Verständigung" sei dringend nötig um dies zu verhindern, sagte das Führungsmitglied Scheich Naim Kassem am späten Donnerstag im Fernsehsender der Schiitenmiliz. Er wies niemandem direkt die Schuld für den Anschlag zu, rief aber dazu auf, radikalen sunnitischen "Terroristen" zu trotzen. Die Hisbollah kämpft im syrischen Bürgerkrieg aufseiten von Staatschef Bashar al-Assad.

Vor genau einer Woche war der sunnitische Politiker Mohammed Shattah im Zentrum von Beirut von einer Autobombe getötet worden. Politiker aus dem sunnitischen Lager hatten die Hisbollah des Anschlags bezichtigt. Die Hisbollah hatte dies zurückgewiesen. Bekannt hatte sich zu dem damaligen Anschlag niemand. Ob die Bombenexplosion am Donnerstag damit im Zusammenhang stand, war zunächst unklar.

Internationale Reaktionen

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, der UN-Sicherheitsrat und die USA verurteilten den Terrorakt scharf. Der Vorfall zeuge von einer zunehmend beunruhigenden Eskalation der Gewalt im Libanon, sagte Ban laut Mitteilung am Donnerstag (Ortszeit) in New York. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton ließ am Freitag über einen Sprecher ihre "tiefste Besorgnis über die Spirale der Gewalt im Libanon" erklären. "Wir brauchen eine entschlossene politische Antwort gegen die Sprache der Gewalt", hieß es. Die Versuche, die Stabilität des Libanon zu erschüttern, könnten nicht hingenommen werden. (APA, 3.1.2014)