Damaskus/Beirut - Rebellen belagern das Hauptquartier der bisher mit ihnen verbündeten Terrormiliz Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIS) im Norden Syriens. Das Hauptquartier in Al-Raqqa sei seit Sonntagnacht eingekesselt, teilte die den Regierungsgegnern nahe stehende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag mit. Die Rebellen hätten 50 syrische Gefangene aus der Gewalt der ISIS befreit.

Mehrere Rebellengruppen in Syrien hatten am Wochenende eine Offensive gegen die Al-Kaida-nahen Extremisten gestartet. Dabei wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle mindestens 36 Jihadisten getötet und Dutzende weitere gefangen genommen. Auch auf Seite der Rebellen gab es demnach zahlreiche Tote.

Die Jihadisten, von denen viele aus dem Irak und anderen Ländern stammen, waren bei den anderen Aufständischen im Kampf gegen die Regierung von Präsident Bashar al-Assad zunächst willkommen, weil sie gut organisiert, gut bewaffnet und kampferfahren sind. Inzwischen werfen mehrere Rebellengruppen der ISIS jedoch vor, in den unter ihrer Kontrolle stehenden Gebieten ein Terrorregime zu errichten und rivalisierende Rebellen zu entführen, zu verprügeln und zu ermorden.

Gegen die ISIS kämpfen mittlerweile mehrere Zusammenschlüsse von Rebellen: die mächtige Islamische Front, die islamistische Armee der Mujaheddin, die nichtislamistische Front der Revolutionäre Syriens und die jihadistische Al-Nusra-Front. Letztere ist nach Angaben der Beobachtungsstelle die Hauptkraft bei der Belagerung des ISIS-Hauptquartiers in Al-Raqqa. Die hauptsächlich aus Syrern bestehende Al-Nusra-Front unterhält wie die ISIS Verbindungen zum Al-Kaida-Netzwerk, gilt aber als "gemäßigter".

Mit der ISIS greift der Syrien-Konflikt zunehmend auf Nachbarländer über: Nach Angaben von Sicherheitskräften haben ISIS-Kämpfer die Kontrolle über das nordirakische Falluja übernommen. Die sunnitische Jihadistengruppe bekannte sich zudem zu dem Anschlag in einem schiitischen Wohnviertel der libanesischen Hauptstadt Beirut, bei dem am vergangenen Donnerstag vier Menschen getötet wurden.

Im syrischen Bürgerkrieg wurden nach Schätzungen der Beobachtungsstelle insgesamt bereits mindestens 130.000 Menschen getötet, Millionen Syrer sind auf der Flucht. Der Konflikt hatte im März 2011 mit zunächst friedlichen Protesten gegen Assad begonnen, doch angesichts des brutalen Vorgehens der Sicherheitskräfte schlugen diese bald in eine militärische Konfrontation um. (APA, 6.1.2014)