Nicht rauchen, nicht essen, kein Alkohol
Von Regina Walter

"Einer ist wie keiner." - Das ist mein neues Motto für 2014. Christian Gäbler will ich damit vehement widersprechen. Der Wiener Sportmediziner hat zuletzt konstatiert: "Mehr als ein Neujahrsvorsatz bringt Frustration und Misserfolg".

Nicht für mich. Ich probier's jetzt mit drei Vorsätzen am Stück: Nicht rauchen, nicht essen, kein Alkohol. Das soll aus meiner Sicht folgende Vorteile bringen. Erstens: Ich erspare mir die vielpropagierte Gewichtszunahme, mit der Exraucher ewig hadern. Und zweitens: Ich denke nicht mehr permanent an Tschick, sondern widme meine Gedanken nun auch den leiblichen Genüssen, die mein Magen-Darm-Trakt zukünftig vermissen wird.

 

Foto: AP/KIRSTY WIGGLESWORTH
Die Sache mit der Genusszigarette ist auch bei jedem Glas Wein ein immer wiederkehrendes Thema.

Geistige Fixierung

Zwar quält mich seit nunmehr fünf Tagen zwischen 6 Uhr morgens und 14 Uhr weiterhin das Verlangen nach Zigaretten - ich bin ein Spätstarter was die erste Mahlzeit des Tages betrifft. Ab 14 Uhr aber tritt das Thema Tabak dafür deutlich in den Hintergrund. Die folgenden zehn Stunden dreht sich gedanklich alles nur noch ums Essen. Eine wesentliche Erleichterung, denn die geistige Fixierung auf Zigaretten zermürbt mich auf Dauer.

Nebenbei ist diese Strategie auch noch ein doppelter Gewinn: Mein Hüftspeck wird schmelzen und mein morgendlicher Raucherhusten gehört demnächst der Vergangenheit an.

Nein, ich habe nicht vor, mich den Rest meines Lebens von Licht zu ernähren. Ich faste jetzt eine Woche in der Hoffnung, anschließend auf Mayonnaise und Zigaretten problemlos verzichten zu können.

Zwei Mahlzeiten

Wer glaubt, dass das nicht funktioniert, der irrt. Und ich selbst bin der lebende Beweis dafür. Denn genau genommen hab ich diese Strategie auch schon bei meinem letzten Versuch Nichtraucher zu werden sehr erfolgreich - wie ich nicht müde werde zu betonen - verfolgt. Während andere Menschen nämlich beim Kaffee oder Telefonieren der Gusto überkommt, erzeugt bei mir vor allem feste Nahrung das dringende Bedürfnis nach Glimmstängeln. Jeder Bissen verlangt nach einer anschließenden Genusszigarette. Das war schon immer so. Mit zwischendurch essen ist jetzt allerdings Schluss. Zwei Mahlzeiten, zweimal Gusto, fertig.

Damit kann ich gut leben, wär da nicht der Alkohol. Endgültige Abstinenz kommt für mich nicht in Frage. Und die Sache mit der Genusszigarette ist auch bei jedem Glas Wein ein immer wiederkehrendes Thema. Vielleicht geht es auch nur darum zu akzeptieren, was ich ohnehin weiß: Ich bin und bleibe ein Raucher, egal ob Ex- oder Nicht-. Der Kampf, ein Nichtraucher zu sein, wird zumindest bei mir ein lebenslanger bleiben.

 

Die große Freiheitslüge
Von Günther Brandstetter

Nein, ich will gar nichts beschönigen und entschuldigen. Ich komme lieber gleich zur Sache: Ich habe geraucht, während der Weihnachtsglückseligkeitstage, die zumindest im ORF bis zum 6. Jänner dauern. Nun befinde ich mich seit drei Tagen wieder auf der Ex-Raucher-Schiene. Dem Job sei es gedankt, denn während der Freizeitabstinenz fällt auch die Nikotinabstinenz bedeutend leichter.

Die Boten des Rückfalls kündigten sich schon vor den in Bier und Schweinsbraten getränkten Feiertagen an. Genau genommen am 23. Dezember, wo in den Feuilletons der Geburtstag eines 95-jährigen Kettenrauchers zelebriert wurde, dessen Sucht die journalistische Zunft mit einem Übermaß an Bewunderung bedachte. Die wahren Hauptdarsteller in diesem medialen Reigen: Helmut Schmidts geliebte "Reyno"-Zigaretten, von denen der ehemalige deutsche Bundeskanzler vorsorglich 200 Stangen hortet - rechtzeitig, bevor sie ihm von den EU-Bürokraten im Jahr 2020 verboten werden.


Foto: APA/dpa//Rainer Jensen
Nicht nur im Fernsehstudio, sondern auch während des Sonderparteitags der SPD dürfen Schmidts Menthol-Zigaretten qualmen.

Vorbildlich

Ohne seine Sucht wäre Schmidt wohl nur eine bedeutende Persönlichkeit unter anderen. Mit ihr mutiert er aber zu Deutschlands "coolstem Kerl", der sich die Freiheit herausnehmen darf, selbst im TV-Studio munter weiterzurauchen. Das beeindruckt. Das ist vorbildlich. Das ist "wahre" Freiheit. Das muss dem 95-Jährigen Politveteranen einmal jemand nachmachen.

Ich war bislang davon überzeugt, ein freiheitsliebender Mensch zu sein, doch lüge ich mir möglicherweise seit drei Jahrzehnten in die eigene Tasche. Warum sonst ist in der frei verfügbaren Zeit die Versuchung besonders groß, sie mit Nikotin zu füllen? Schmidts "Schnauze" hätte sicher eine passende Antwort parat. (Regina Walter / Günther Brandstetter, derStandard.at, 9.1.2014)