Um es klar zu sagen: Von keinem anderen potenziellen Teilnehmer an der heute beginnenden Syrien-Konferenz Genf II außer dem Iran wurde ein ähnlicher Offenbarungseid auf das Kommuniqué von Genf I vom 30. Juni 2012 verlangt - woran die iranische Teilnahme gescheitert ist. Nicht einmal die Promotoren von Genf II, USA und Russland, und schon gar nicht die syrische Opposition und das syrische Regime, sind sich über die Interpretation von Genf I einig: ob Bashar al-Assad in einer verhandelten Übergangslösung eine Rolle bekommen darf.

Unbestritten ist, dass es ohne den Iran keine Syrien-Lösung geben wird. In Syrien findet nicht nur ein Aufstand statt, sondern - auch - ein Stellvertreterkonflikt. Die regionalen Mächte gehören an den Tisch.

Dennoch hat es seine gute Seite, wenn der Iran, der wie kein anderes Land militärisch in Syrien engagiert ist (auch die Hisbollah gehört zum iranischen Aufgebot), diesmal fernbleibt. Diese Präsenz wäre einfach zu viel der Demütigung für die schwache, entwurzelte Exilopposition, die nicht nach Genf - oder Montreux, dem Tagungsort - wollte, aber dort hinmusste. Dass Assad den Konferenzauftakt großsprecherisch mit Interviews begleitet, in denen er versichert, nicht zu wissen, weshalb er nicht zu den nächsten Präsidentenwahlen antreten sollte, ist Belastung genug. Wenn die Iraner eine konstruktive Rolle spielen wollen, können sie gleich in Damaskus beginnen.  (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 22.1.2014)