In eineinhalb Tagen intensiver Arbeit wurden in Köln sechs neue Spiele entwickelt, die Information und Nachrichten auf eine innovative Art und Weise transportieren wollen.

Foto: derStandard.at/Alvir

Journalisten, Entwickler, Designer und Programmierer aus ganz Europa arbeiten gemeinsam an frisch geschlüpften Spielideen.

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Zum Ausruhen ist beim News Games Hackathon keine Zeit: Zwischen dem ersten Edding-Brainstorm und dem Hochladen des fertigen Spiels liegen nur wenige Stunden.

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Köln - Neben interaktiven Grafiken und multimedialen Geschichten gibt es in der Informationsära noch eine innovative Form, Information und Nachrichten zu transportieren: das News Game. Um diese journalistische Form zu fördern, fand am Dienstag und Mittwoch in Köln der allererste europäische News Games Hackathon statt.

Eineinhalb Tage hatten die Teilnehmenden dabei Zeit, ein Spielkonzept zu entwickeln, zu designen und zu programmieren. Programmierer, (Grafik-)Designer und Journalisten waren unter den etwa 50 gegen die Zeit "hackenden". Die Bandbreite: vom klassischen Zeitungsredakteur, der noch nie in seinem Leben ein Spiel konzipiert hat und Code-Analphabet ist, bis zur Gamestudio-Gründerin, die mit professionellem Spieledesign ihren Unterhalt bestreitet.

In kleinen, gut durchmischten Gruppen produzierten die aus sieben Ländern kommenden Teilnehmenden eine Reihe an Spielen, die sowohl in Ansatz und Thematik als auch in der Spielmechanik sehr unterschiedlich waren. Vom World-Cup-Simulator über eine Anleitung zum Fracking bis zum Flappy-Bird-Klon, der Diskriminierung veranschaulicht.

Spiel und Ernst

"Newsgames sind im Unterschied zu klassischen Medien interaktiv. Man macht selber etwas und bekommt Feedback", sagt Organisator Marcus Bösch. Der Journalist und Gründer des Gamestudios The Good Evil ist überzeugt, dass durchs News Games eine völlig andere Form der Beziehung zwischen Leser oder Spieler und dem Inhalt entstehen kann.

Trotz ihrer vielversprechenden Möglichkeiten stoßen News Games regelmäßig an ihre Grenzen, etwa was die Anerkennung als ernste journalistische Form angeht. Schon in der Keynote von Tomas Rawlings wird dies schmerzlich klar: Sein Spiel "Endgame: Syria" wurde zunächst mit folgendem Kommentar vom Apple-Store abgelehnt: Wer sich mit Krieg oder Religion beschäftigen möchte oder diese kritisieren will, solle doch bitte lieber ein Buch darüber schreiben. Neben der Glaubwürdigkeit sieht Rawlings eine weitere Hürde für News Games: "Es ist noch nicht ganz klar, wie News Games in die bestehenden Strukturen und klassischen Medien eingepasst werden können."

Mitspielen des Mainstreams

Rebekka Drobbe von der Deutschen Welle sieht ebenfalls Verbesserungsmöglichkeiten insbesodere bei der Implementierung von News Games im öffentlich-rechtlichen Bereich: "Flächendeckende Einbindung gibt es noch nicht." Möglicherweise könnten News Games in Zukunft von vornherein bei Projekten und Themenschwerpunkten mitgeplant werden, meint die Medieninformatikerin und Entwicklerin. Die Gruppe um die Deutsche Welle arbeitete an einem News Game namens "iPay": Die Spielerin muss hierbei herausfinden, wie sich der Preis eines Produkts zusammensetzt.

Andere Länder sind dem deutschsprachigen Raum etwas voraus, was News Games angeht. Florent Maurin aus Paris arbeitet größtenteils mit Dokumentarfilmern und dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Frankreich zusammen. Er entwirft beispielsweise Spiele, die Dokumentationen online begleiten und erweitern können. Gerade hat Maurin begleitend zu zwei Dokumentationen auf France 5 das "Jeu d'Influences" herausgebracht, dass sich mit Spindoktoren auseinandersetzt und den Spieler auf die Probe stellt: Wie weit würde man als Manager den Beratern folgen, um die Wahrheit zu biegen?

Rund um den News Games Hackathon fand zudem noch bis Donnerstag die fünfte "Clash of Realities"-Konferenz unter dem Thema "Spielwelt - Weltspiel" statt. Neben Einblicken in die aktuelle Gamesforschung wurden hier Narration, Interaktion und Kooperation in Videospielen erkundet und die Zukunft der Computer- und Videospielindustrie diskutiert. (Olja Alvir, derStandard.at, 9.5.2014)