... ist dann doch nichts daraus geworden. Nach weiteren wilden Attacken seiner Gegner: Grasser holt zum Gegenschlag aus, machte sich das Blatt am Freitag schon im Aufmacher für das Homepage-Luder der Regierung Schüssel stark. Die Quelle dieser Drohung, die ihre Wirkung auf die Lachmuskeln des Rechnungshofpräsidenten zweifellos nicht verfehlte, war kein anderer als der wehrunwürdige Nachwuchsgolfer höchstselbst.

Jetzt spitzt sich die Lage um den von der SPÖ attackierten und vom Rechnungshof scharf kritisierten Finanzminister Grasser politisch zu: ein in keiner Weise amtsmüder Finanzminister ("da können Sie ganz sicher sein") kündigte im Gespräch mit der "Krone" kämpferisch an, ab heute "zurückschlagen" zu wollen.

Da hat er seinen väterlichen Freund Hans Dichand aber ganz schön hereingelegt. Denn schon am nächsten Tag erwies sich KHG als derart müde im Amt, dass sein Gegenschlag als Streicheleinheit für den fiesen Fiedler auf dem Dach des Finanzministeriums fast noch zu hart beschrieben wäre. Ein sichtlich geläuterter Finanzminister Grasser schwelgte am Freitag in Lob für den Rechnungshof, vermeldete die "Krone", nachdem er kurz zuvor noch dessen Lob für sich eingefordert hatte. Worauf die sichtliche Läuterung zurückzuführen war, war nicht ersichtlich, es sei denn, man unterstellt KHG ein Talent, das in seinem Alter zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, nämlich jenes, über Nacht gescheiter zu werden.

Doch es war nicht die erste Nacht, in der diese Hoffnung nicht aufging. Nach seinem Rüffel für den RH-Präsidenten, er spare mit Lob am falschen Platz, gab er nun lediglich zu, dass er sich möglicherweise in früheren Stellungnahmen zum Rechnungshofbericht "missverständlich ausgedrückt" habe, in zwei Gesprächen mit Fiedler wurden jetzt "alle Unklarheiten" ausgeräumt. Es dürfte sich bei diesem Wandel um ein geheimnisvolles Phänomen handeln, das er in der Grazer "Kleinen Zeitung" als eine Evolution der Politikerpersönlichkeit Karl-Heinz Grasser enthüllte.

Kein anderer wäre bisher auf die Idee gekommen, in Karl-Heinz Grasser eine Persönlichkeit, geschweige denn eine Politikerpersönlichkeit zu sehen. Der Ruf der Politiker ist auch so schlecht genug. Darüber macht sich auch Grassers Gönner vor Wolfgang Schüssel Sorgen. Ich schließe einen Untersuchungsausschuss nicht aus, drohte Jörg Haider in der "Kleinen Zeitung", wenn Grasser Missstände wie in der ÖIAG nicht aufklären könne.

Leider hat die "Krone" in diesen Tagen auch mit der Evolution der Politikerpersönlichkeit Arnold Schwarzenegger zu kämpfen. Nachdem das Blatt bisher den Eindruck erweckte, Arnie habe den Gouverneursposten von Kalifornien so gut wie in der Tasche, stellt sich nun heraus, dass es auch dort Kritik gibt, wo doch alles andere als Lob unverständlich ist. Am Samstag versuchte der würdige Interpret der Außenpolitik dieser Regierung, Kurt Seinitz, noch Linie zu halten.

Das Lachen über Schwarzenegger wird den sogenannten Fachleuten der Politik noch vergehen. Was soll der "Polit-Amateur ohne Erfahrung" schlechter machen als jene Politiker, die Kalifornien in die Krise geführt haben? . . . Was zählt, ist das politische Talent: Führungsstärke, Überzeugungskraft, gesunder Menschenverstand. All das kann man bei Schwarzenegger voraussetzen. Aber leider nur unter Steirern. Sonntag musste Dichands Gazette melden: Schwarzenegger droht schmutzige Kampagne von Hollywood-Neidern!

Kein Wunder, dass Kalifornien in der Krise ist, wenn dort so wenig Respekt vor einem Terminator herrscht. Jetzt muss "Arnie" den Preis für den Sprung in die Politik zahlen: Die Demokratische Partei mobilisiert Hollywood-Stars gegen ihn. Plattform ist die "New York Post", die seit jeher eine wilde Kampagne gegen den Mann aus dem "Naziland" führt, der anfangs Waldheim verteidigt hatte. Wenn sie ihn nur nicht auf die Watchlist setzen - schließlich heißt Terminator so viel wie Endlöser.

Weit sind sie nicht mehr davon entfernt. So unbedeutende Hollywood-Mimen wie Tom Hanks, Barbra Streisand, Susan Sarandon, Warren Beatty oder Debbie Reynolds haben schon gesagt: "Ein Gouverneur Schwarzenegger wäre ein großer Fehler."

Gestern hat sich die "Krone" vom ersten Schock erfangen. Es wird spannend, fast könnte man sagen: Jetzt spitzt sich die Lage zu, denn: Schwarzenegger holt jetzt zur Gegenoffensive aus. Wie schon das Homepage-Luder. Aber keine Sorge, der Preis, den Arnie für den Sprung in die Politik zahlen muss, hat sich schon jetzt ausgezahlt. Einer solchen Menge von anderen bezahlter Reklame für seine Person wird sich Grasser nie erfreuen können, und wenn er sich auf zehn Homepages feiern lässt. (DER STANDARD; Printausgabe, 26.8.2003)