Linz/Wien - Sie hat nur darauf gewartet, dass es möglich wird: Karin Schweiger war eine Frau der ersten Stunde, als 1998 das Bundesheer auch Frauen in die bis dahin rein männlichen Reihen der Uniformträger aufnahm. Und ihre Uniform mit der weißen Tellerkappe flößt auch Männern jedes Ranges den entsprechenden Respekt ein: "Es gibt natürlich Vorgesetzte, die Probleme mit Frauen haben, da muss man eben als Frau drüberstehen." Das fällt in ihrer Funktion vergleichsweise leicht.

Karin Schweiger dient bei der Militärstreife in Graz, die interne Personenkontrollen durchführt und nach fahnenflüchtigen Heeresangehörigen fahndet. Frau Schweiger ist eine der Soldatinnen, die Verteidigungsminister Günther Platter am Dienstag zum fünfjährigen Jubiläum der "Frauen im österreichischen Bundesheer" präsentierte: 226 sind derzeit im Stand, aber der Andrang nimmt gerade in letzter Zeit zu. Waren im letzten November noch 5402 Frauen für eine militärische Karriere vorgemerkt, so sind es nun 10.860. Aber nicht alle sind so entschlossen wie Frau Schweiger: "Als ich über die Medien gehört habe dass das möglich ist, habe ich mich sofort gemeldet." Die Arbeit beim Heer sei körperlich wie geistig eine Herausforderung. Frauen müssen dieselbe Grundausbildung durchlaufen, sie können allerdings ihre Einsatzfunktion selber wählen.

Die von ihrem Beruf überzeugte Unteroffizierin Schweiger kennt den Vorwurf, Frauen könnten den Männern was wegnehmen - und sie kontert: Frauen seien ehrgeiziger und erreichten dadurch oft höhere Positionen. Als Frau sei man beim Heer sicher etwas Besonderes, da spielt Neid vonseiten der Kameraden eine Rolle - aber sie habe sich immer akzeptiert gefühlt - auch weil sie älter ist, selber zwei Söhne hat: "Man kann sich beim Heer nicht als Frau verkaufen, sondern man ist Soldat. Dementsprechend verhalte ich mich." (DER STANDARD, Printausgabe 27.08.2003)