Nüziders/Linz - Vorarlbergs Süden gehört zu den ältesten Siedlungsgebieten des Landes. Seit internationale Forschungsteams die Erde im Bezirk Bludenz nach Zeugnissen früher Menschen absuchen, müssen die regionalen Geschichtsbücher umgeschrieben werden.

Nach erfolgreichen Grabungen in Bartholomäberg/Montafon ergaben nun auch erste Sondierungsstiche beim "Hängenden Stein" in Nüziders klare Hinweise auf eine Bronzezeit-Siedlung. Trockenmauerreste, Silex- und Keramikfunde aus dem 16. Jahrhundert vor Christus stimmen das Archäologenteam von Karsten Wink optimistisch, nächstes Jahr soll weitergegraben werden.

Dieser Sommer war für die Archäologen besonders erfolgreich: In Bartholomäberg entdeckte Rüdiger Krause mit seinem Team der Freien Universität Berlin die älteste Burganlage der Alpen. Im 16. und 15. Jahrhundert vor Christus sollen bereits Menschen hoch über Schruns eine "Reihenhaussiedlung" mit mächtiger Schutzmauer errichtet haben. Motiv für die Besiedlung dürften die nahen Kupfererzvorkommen gewesen sein. Schlüssige Beweise für prähistorischen Bergbau wurden noch nicht gefunden.

Aus der Zusammenschau der verschiedenen Grabungsstätten wollen die Forscher Einblick in die frühe Siedlungsgeschichte Vorarlbergs gewinnen.

Römisches Kindergrab

Einen interessanten Fund machten Archäologen bei Sondierungsarbeiten auf der so genannten Keplerwiese auf dem Linzer Schlossberg. Die Wissenschafter entdeckten neben einem bereits freigelegten antiken Abwasserkanal die Überreste eines zwölfjährigen Kindes, die aus dem 4./5. Jahrhundert stammen dürften.

Außergewöhnlich an dem Fund sei, dass sich das Kindergrab innerhalb eines Hauses befunden haben muss, erklärte der Linzer Stadtarchäologe Erwin Ruprechtsberger. Normalerweise habe man zu dieser Zeit die Toten auf Gräberfeldern beigesetzt und es befindet sich auch eines in unmittelbarer Nähe der jetzigen Fundstelle. "Möglicherweise hat eine soziale Notsituation zu dieser ungewöhnlichen Bestattung veranlasst - auch hatten Kinder oft nicht denselben Status wie Erwachsene", so der Experte. (jub, mro, DER STANDARD, Print, 29.08.2003)