Frankreichs Premierminister Jean-Pierre Raffarin hat es seinen Regierungsmitgliedern nach Angaben der Tageszeitung "Liberation" verboten, an einer von TF1 geplanten Reality-TV-Sendung teilzunehmen. Gast der ersten Folge sollte Anfang Oktober Regierungssprecher Jean-Francois Cope (UMP) sein.

Nach dem Modell der französischen Big-Brother-Version "Loft Story" aufgebaut, sollte bei der Sendung ein Politiker vor laufenden Kameras 36 Stunden lang das Alltagsleben einer französischen Durchschnittsfamilie teilen. Die Sendung, laut TF1 eine weltweite Premiere, soll 60 Minuten lang dauern und von der auf Politik spezialisierten Journalistin Ruth Elkrieff moderiert werden.

Eigenwerbung und "Exhibitionismus"

Das vor zwei Tagen von TF1-Vizepräsident Etienne Mougeotte angekündigte Sendungsprojekt löste in Frankreichs Medien eine heftige Polemik aus. Nach den Angaben Mougeottes sollte die Sendung die französische Bevölkerung und deren Berufspolitiker "annähern". Politische Beobachter und Medienverbraucher erblickten darin allerdings eher eine Form von Eigenwerbung und "Exhibitionismus" seitens der Politiker.

Laut "Liberation" hat Raffarin in den Medien von diesem Projekt erfahren und sein Veto beschlossen, nachdem er sich die "Pilotsendung" angesehen hatte. An dieser Probefolge, die niemals im Fernsehen erscheinen wird, hatte sich Pierre Bedier, Staatssekretär im Justizministerium, beteiligt. Bedier teilte das Alltagsleben mit einer Hebamme in Argenteuil bei Paris. (APA)