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"Kritisch begleiten" wollen die Grünen die Entwicklung im ORF, wenn im kommenden Jahr die ORF-Gebühren erhöht werden. Mit der weiteren Stärkung des öffentlich-rechtlichen Charakters des ORF wurde diese Erhöhung unter anderem argumentiert, "und wir werden dem ORF da auf die Finger schauen", so der Grüne Mediensprecher Stefan Schennach im APA-Interview. Dass Formate wie die Dating-Show "DisMissed" im ORF starten, bezeichnet er indes als "fatal, denn es öffnet wieder die Tür zur Debatte, ob der ORF überhaupt öffentlich-rechtlich ist".

Eindeutiger Loser

Bei der ORF-Programmreform sei "die Kultur der eindeutige Loser" gewesen, moniert Schennach. "Massiv kritisiert haben wir auch die Abschaffung von Radio Österreich International, das war kurzsichtig zum Quadrat. Und das Radio Symphonieorchester muss unbedingt erhalten werden." Der Grüne Mediensprecher plädiert außerdem dafür, das öffentlich-rechtliche Vorzeigeradio Ö1 von den Sparmaßnahmen im Unternehmen auszunehmen. "Das Sparprogramm dort ist unerträglich geworden und schlicht eine Schande." Privatisierungsideen für den ORF lehnen die Grünen strikt ab.

Verbot der Cross-Promotion "unfair"

Einige Beschränkungen im Werbebereich, die dem ORF mit dem neuen Gesetz auferlegt wurden, sollten nach Schennachs Ansicht zurückgenommen werden: "Es scheint zum Beispiel nicht fair, dass dem ORF die Cross-Promotion verboten ist, ein Medienhaus aber sehr wohl in seinen verschiedenen Produkten für sich werben darf. Auch die Beschränkung der Printmedienwerbung ist nicht sinnvoll."

"Wir sind keine Sekundenzähler"

Die SPÖ kritisiert in schöner Regelmäßigkeit, dass der ORF zum "Regierungsfunk" mutiert sei. Weniger Protest ist von den Grünen als zweiter Oppositionspartei zu hören. Dazu Schennach: "Wir sind keine Sekundenzähler. Manchmal wird uns etwas zu viel, und dann weisen wir darauf hin. So wie es in der 'Karl-Heinz Grasser-Show' der Fall war." An TV-Chefredakteur Werner Mück, der in jüngster Zeit wieder mehrmals ins Visier von ORF-Kritikern geraten war, übt Schennach nur indirekte Kritik. "Statt dieser zentralistischen Konstruktion würde es vielleicht Sinn machen, den News-Bereich und den Magazin-Bereich auf separate Beine zu stellen."

ATVplus attestiert Schennach "ein paar witzige Dinge" im Programm. "Aber als österreichischen Privatsender kann man ATVplus noch nicht identifizieren. Mit den technischen Problemen hat man offensichtlich nicht gerechnet, und ich glaube auch, dass das Interregnum bis zum terrestrischen Start zu lange gedauert hat. Hier wäre wohl ein echter Neustart mit neuer Marke besser gewesen." (APA)