Erfurt - Der erste Theaterneubau Deutschlands des 21. Jahrhunderts öffnet am 14. September in Erfurt mit der Uraufführung einer Oper über den Reformator Martin Luther. Intendant Guy Montavon setzt nicht auf ein Werk von Mozart oder Puccini, sondern auf ein Auftragswerk des Berliner Komponisten Peter Aderhold. Das Stück über Luther steht für den Anspruch des Schweizer Intendanten, der in Erfurt künftig erstklassiges Musiktheater bieten will.

Für die Spielzeit 2004/2005 plant der 41-Jährige die Uraufführung der Oper "Cuba Libre" des Oscar-Preisträgers Cong Su, der die Filmmusik zu "Der letzte Kaiser" schrieb. Ein Jahr später will Philip Glass sein Stück "Warten auf die Barbaren" uraufführen.

Etwas mehr als 60 Millionen Euro kostet der Neubau in exponierter Lage zwischen Mariendom und Severi-Kirche und der barocken Festungsanlage auf dem Petersberg. "Wir werden die Kosten nur mit knapp zwei Millionen Euro überschreiten", sagt Erfurts Kulturdirektor Jürgen Bornmann zufrieden. Der große Saal bietet 800 Gästen Platz, die Studiobühne 200. Das Haus soll laut Montavon an etwa 250 Abenden öffnen. Musiktheater und Konzerte werden dominieren. Schauspiel und Tanztheater hat die Stadt aus Geldmangel geschlossen. Erfurt ist somit die einzige Landeshauptstadt ohne eigenes Schauspiel. Es soll jedoch Gastspiele geben.

Das alte Opernhaus war baupolizeilich gesperrt worden. Die Sanierung sollte so teuer wie ein Neubau werden. Die Geburt der neuen Spielstätte ging nicht ohne Komplikationen, Streit und Kontroversen ab. Ein in der DDR begonnener Neubau vor der jetzigen Staatskanzlei wurde trotz Protesten abgerissen, der Bauplatz in die Nähe des Doms verlegt.

"Das schwierigste war, von den ursprünglich veranschlagten 158 Millionen Mark auf die 120 Millionen Mark zu kommen", sagte Projektleiter Karlheinz Siegl und Abeilungsleiter im Hochbauamt Erfurt. Eine zweite Spielstätte auf dem Dach musste den Sparzwängen weichen, ebenso eine Glasfront an dem 71 Mal 71 Meter großen Gebäude. "Das Theater ist kein Luxusbau. Es hat bei aller Funktionalität Stil", sagt Verwaltungsdirektor Christian Schott.

Technischer Direktor des Theaters ist Stefan Ritter, der 1985 schon für die Wiedereröffnung der Semperoper in Dresden verantwortlich war. Die Hauptbühne entspricht in ihren Abmessungen der des Deutschen Nationaltheaters Weimar, um den Austausch von Inszenierungen zu erleichtern. Die technischen Möglichkeiten in Erfurt sind jedoch wesentlich größer. 43 Elektro- und acht Handzüge werden von der Decke des 25 Meter hohen Bühnenraums die Dekorationen steuern. Der Bühnenbildwechsel wird durch Rechner gesteuert. Im Bühnenboden sind vier Podien integriert, die bis zu mehrere Meter in Tiefe und Höhe verstellbar sind. Dazu gibt es eine Drehbühne.

Gastregisseurin Karoline Gruber kann als erste Vorteile und Tücken des neuen Hauses kennen lernen. Die 38-Jährige steckt mitten in den Arbeiten für die Eröffnungs-Oper "Luther". (APA/dpa)