Butch war seit neun Jahren nicht beim Friseur, er trägt ausgebeulte Hosen und haust in einem Apartment, in dem Schmutzwäsche und Müll die wichtigsten dekorativen Elemente sind. Sein Kühlschrank ist nicht nur leer, man kann ihn gar nicht öffnen. Weil die Küche so eng ist.

Ein schwerer Fall für die "Fab Five": Unter dem ansprechenden Titel "Queer Eye for the Straight Guy" möbeln fünf homosexuelle Stylingspezialisten einen vergammelten Hetero zum hippen Metrosexual auf. Die in den USA überaus erfolgreiche Realityshow spielt mit der weit verbreiteten Annahme, dass homosexuelle Männer penibel auf ihr Äußeres achten und deshalb das ästhetisch geschultere Auge besitzen. Und Heteros Feuchtigkeitscreme im Normalfall nicht von Haargel unterscheiden können.

Die Serie ist in den USA der Quotenhit des Sommers. Auf Bravo-TV erreicht "Queer Eye" bis zu 2,9 Millionen Zuschauer, für einen Kabelsender sind das Traumquoten, für Bravo-TV die höchsten in der Sendergeschichte. Den Mutterkonzern NBC veranlasste das dazu, das Format zu übernehmen. Seit Ende Juli zeigt NBC eine verkürzte Version zur besten Sendezeit und erreicht regelmäßig zehn Millionen Zuseher. Die umgekehrte Synergie - sonst sind Kabelsender schlichte Abspielkanäle - ist bisher einzigartig in der US-Fernsehgeschichte.

Kritiker meinen, "Queer Eye" würde Stereotype erzeugen und kaum dazu beitragen, die in Amerika besonders verhafteten Ressentiments gegenüber Schwulen zu reduzieren. Den Sendern ist das egal. Sie wittern - nicht zuletzt aufgrund fabelhafter Möglichkeiten zu Product-Placement - das große Geschäft. Viacom plant einen Schwulen- und Lesbensender, ab November läuft die Datingshow "Straight Gates by Gay Mates", auf Bravo-TV läuft die Realitysoap "Boy meets Boy". Was bedeutet, dass die Profit versprechendere Kommune vorerst eher die der "Queer Eyes" als jene der Metrosexuals scheint. (Doris Priesching, DER STANDARD, Printausagbe vom 3.9.2003)