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Folgt Fritz Neugebauer auf den scheidenden ÖAAB-Obmann Werner Fasslabend? Der ob seines Abstimmungs-Verhaltens bei der Pensionsreform umstrittene GÖD-Chef: "Ich habe mich noch nie aufgedrängt".

foto: apa/pfarrhofer
Wien - Oberösterreichs ÖAAB-Chef, Landeshauptmannstellvertreter Franz Hiesl, war überrascht, als er hörte, dass Fritz Neugebauer bereit wäre, sich um die ÖAAB-Obmannschaft zu bewerben: "Das wundert mich eigentlich", sagte Hiesl dem STANDARD. Es gäbe zwar Gespräche mit einigen möglichen Kandidaten, "aber einen fertigen ÖAAB-Obmann gibt es nicht".

Hiesl, der seit vier Jahren stellvertretender ÖAAB-Bundesobmann ist, nennt als Anforderungsprofil, dass "der künftige Obmann eine bedeutende Funktion im Staat hat". Dies könnte als Wahlempfehlung für Günther Platter gesehen werden - doch Hiesl will ausdrücklich keinen Kandidaten bevorzugen. Charmant fände Hiesl die Variante, einen Kandidaten aus der Gruppe der 35-Jährigen aufzubauen. Aber von denen gibt es nur wenige mit Profil.

Einzig der ehemalige Chef der Parteijugend, Werner Amon, hätte bundespolitische Erfahrung - aber kaum Rückhalt in der Organisation.

"Gemacht" wird der Fasslabend-Nachfolger vor allem von den mitgliederstarken Landesgruppen Niederösterreich (rund 90.000 Mitglieder) und Oberösterreich (rund 32.000) Mitglieder - wobei der niederösterreichische Landesobmann Michael Spindelegger den bisherigen ÖGB-Vizepräsidenten als "sicherlich starken Kandidaten" einschätzt.

In seiner Landesgruppe gebe es "viele, die sich einen von der Regierung unabhängigen Obmann wünschen", was auf Neugebauer zutreffen würde - die Frage, ob Neugebauer nicht ein wenig durch sein Beamtenimage belastet wäre, beantwortet Spindelegger trocken: "Die Mehrheit unserer Mitglieder sind keine Beamten; aber die Meinungsbildung ist nicht abgeschlossen."

"Ich habe mich noch nie aufgedrängt"

Neugebauer hatte am Donnerstag vor dem ÖGB-Bundesvorstand gesagt, dass er sich entweder um die ÖAAB-Obmannschaft oder um eine Wiederwahl in seinen ÖGB-Funktionen (darunter den Vorsitz der christlich-sozialen Minderheitenfraktion) bewerben könnte - aber: "Ich habe mich noch nie aufgedrängt." Es sei allerdings auszuschließen, dass man neben dem Vorsitz des VP-Arbeitnehmerbunds auch eine Spitzenfunktion in der Gewerkschaft ausüben könnte, sagte Neugebauer.

Das sieht Spindelegger genauso: "Der ÖAAB-Chef muss sich gegen die roten Gewerkschafter stellen können. Denn die SPÖ links zu überholen, das wird wohl nicht gehen."

Etwas anders sieht das der burgenländische ÖAAB-Chef Oswald Klikovits: "Der Meinungsprozess wird durch Neugebauers Bereitschaft bereichert. Ich glaube aber, dass es wichtig ist, dass Neugebauer seine Funktion als Christgewerkschafter behält. Für mich wäre es kein Ausschließungsgrund für die Funktion des ÖAAB-Obmanns." Klikovits fände einen "gestandenen, unabhängigen Arbeitnehmervertreter" an der Spitze wichtig. Und nennt dabei auch den Vorarlberger AK-Präsidenten Josef Fink.

Dieser fühlt sich aber emotional ("ein ÖAAB-Obmann muss bei den Leuten in Wien sein") und altersmäßig ("mit 61 ist man kein Erneuerungssignal") nicht geeignet. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Print-Ausgabe 5. 9. 2003)