Berlin - Als Wibke Bruhns im Mai 1971 vor die "heute"-Kameras trat, war das eine Sensation: Erstmals präsentierte eine Frau die Nachrichten im deutschen Fernsehen. Zwei Jahre blieb die Journalistin beim ZDF und wurde mit dem von ihr eingeläuteten Ende eines "schwachsinnigen" Männermonopols, wie sie es nannte, einer bundesweiten Öffentlichkeit bekannt. Ob als Fernsehfrau oder "Edelfeder": Wibke Bruhns, die am 8. September 65 Jahre alt wird, zählt seitdem zu einer festen Größe in den deutschen Medien.

Auflehnung gegen Autoritäten

...gehört für Wibke Bruhns wohl zu den prägenden Lebenserfahrungen. Ihr Vater, der Kaufmann Hans Georg Klamroth aus Halberstadt, wurde nach dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 als Mitglied des Widerstandes hingerichtet. Bruhns' Mutter, die fünf Kinder großzog, trat 1949 in den diplomatischen Dienst, Tochter Wibke wuchs in Internaten auf, lebte in Stockholm, Berlin und London. Die "offene Rechnung" mit ihrer Familiengeschichte hat Bruhns in einem Buch verarbeitet, das 2004 erscheinen soll.

Karriere

Immer wieder eckte Bruhns, die sich früh für den späteren Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) engagierte, mit ihren Ansichten an. Ihr Volontariat bei der "Bild"-Zeitung brach sie nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 aus politischen Gründen ab. Sie wechselte zum Fernsehen, zunächst zum NDR nach Hamburg, dann zum ZDF und schrieb für "Die Zeit". Bruhns Mitarbeit an der "Sozialdemokratischen Wählerinitiative" zur Bundestagswahl 1972 erzürnte die CDU, die ihre Verbannung vom Bildschirm forderte.

Auszeichnungen

Nach 380 Nachrichtensendungen wanderte Bruhns 1973 zum WDR ab. Dort produzierte sie Beiträge für das politische Magazin "Panorama", deckte soziale Missstände auf oder dokumentierte den "schönen Schein der Ware". Die "Bunte" kürte sie zur "Jeanne d'Arc der 68er".

Für den "Stern" ging Bruhns 1979 als Nahost-Korrespondentin nach Israel, schrieb ein viel gelobtes Buch über "Mein Jerusalem". Von 1984 bis 1988 berichtete die Journalistin für das Hamburger Magazin aus Washington. Eine "Geo"-Reportage über das Vietnam-Denkmal in der US-Hauptstadt wurde mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet.

Nach einem Ausflug zum Privatsender Vox, wo sie wieder Nachrichten präsentierte, wurde Bruhns 1995 Leiterin der Kulturredaktion beim Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB). Sie verließ den Sender 1998. Im Februar 2000 wurde sie Sprecherin der Expo 2000 nach Hannover. Seit dem Ende der Weltausstellung arbeitete Bruhns wieder als freie Autorin. Eine Rückkehr zum Fernsehen lehnt sie rundweg ab. "Da sitzen zu viele Tattergreise", sagt sie. (APA)