Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: REUTERS/Petr Josek
Bagdad - Der Vorsitzende des provisorischen irakischen Regierungsrats, Ahmed Chalabi, wird in den nächsten Tagen auf Einladung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan zu Gesprächen mit der türkischen Führung in die Türkei reisen. Dabei werde es unter anderem um die mögliche Entsendung türkischer Soldaten in den Irak gehen, sagte Chalabis Sprecher, Intifadh Kanbar, am Dienstag in Bagdad.

Verständnis für die Sorgen des kurdischen Außenministers, aber...

Er könne verstehen, dass der neue irakische Außenminister, Hoshiar Sebari, als Vertreter einer kurdischen Partei keine türkischen Soldaten im irakischen Kurdengebiet sehen wolle. Chalabis Partei, der Irakische Nationalkongress (INC), sei jedoch für türkische Friedenstruppen im nicht-kurdischen Westirak, wenn es dafür ein UN-Mandat gebe und ihre Zahl 10.000 Soldaten nicht überschreite. Zebari hatte vergangene Woche erklärt, weder die Türkei noch ein anderer Nachbarstaat des Irak solle sich an einer Friedenstruppe beteiligen. Denn dies würde nicht zu einer Stabilisierung der Lage beitragen.

Kanbar erklärte außerdem, Chalabi und seine Partei wollten eine neue UN-Resolution. In dem von den USA vorgelegten Entwurf fehle aber leider ein Zeitrahmen für den Abzug der Besatzungstruppen. Es sei positiv, dass Frankreich offenbar darauf dringe, in der Resolution festzuschreiben, wann der Irak seine Souveränität zurückerhalten solle. "Wir sehen auch Hinweise darauf, dass Frankreich und Deutschland bald bereit sein könnten, den provisorischen Regierungsrat anzuerkennen", fügte er hinzu.

Gespräche zwischen Türkei und USA festgefahren

Die Gespräche zwischen der Türkei und den USA über die mögliche Entsendung türkischer Truppen in den Irak sind unterdessen festgefahren. Wie der türkische Nachrichtensender NTV am Dienstag unter Berufung auf diplomatische und militärische Kreise meldete, will die US-Seite von den Türken zunächst Details wie die Mannstärke des möglichen türkischen Kontingents erfahren. Ankara wolle darauf aber nicht eingehen, bis nicht geklärt sei, in welchem Gebiet die türkischen Soldaten in Irak eingesetzt werden sollten.

Der türkische Generalstab werde am 22. September in einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates zu den Fragen Stellung beziehen, hieß es bei NTV weiter. Türkische Militärvertreter erklärten dem Sender zufolge, die mögliche Truppenstärke könne erst festgelegt werden, wenn die Besonderheiten des Einsatzgebietes bekannt seien. Laut NTV ist auch die Frage offen, wie die Transport- und Nachschubwege der türkischen Truppen durch das nordirakische Kurdengebiet gesichert werden sollen.

Die türkische Regierung ist grundsätzlich zur Entsendung von etwa 10.000 Soldaten in den Irak bereit. Sie erwartet im Gegenzug jedoch einige Garantien der US-Seite; so soll Washington gegen die türkisch-kurdische Rebellenorganisation PKK im Nordirak vorgehen. Im Parlament von Ankara, das einer Truppenentsendung zustimmen muss, und in der türkischen Öffentlichkeit gibt es erhebliche Vorbehalte gegen den von der Regierung geplanten Irak-Einsatz.(APA/dpa)