Wien/Berlin - Der deutsche Fotograf, Film- und Theaterregisseur Oliver Herrmann starb am 4. September überraschend in Berlin, teilt das Berliner Ensemble am Mittwoch in einer Aussendung mit. Der 1963 geborene Sohn des Theatermacher-Ehepaares Ursel und Karl-Ernst Herrmann arbeitete als Theaterfotograf am Bochumer Schauspielhaus, der Brüsseler Oper, in Hamburg, Paris, München, bei den Salzburger Festspielen und am Wiener Burgtheater. Zur Uraufführung von Thomas Bernhards Stück "Heldenplatz" veröffentlichte er den Bildband "Heldenplatz im März 1988".

Oliver Herrmann wurde 1963 in Bremen geboren, ging in Berlin, New York und Havanna zur Schule und arbeitete seit 1981 als Theaterfotograf. Er dokumentierte die Operninszenierungen seiner Eltern und arbeitete mit Regisseuren wie George Tabori, Claus Peymann und Luc Bondy zusammen. Redaktionelle Beiträge erschienen unter anderem in "Theater Heute", im "Zeit Magazin", "Stern", "Cosmopolitan" und in der "Vogue".

1989 führte Oliver Herrmann Regie bei der Opernverfilmung "La Finta Gardiniera" in Brüssel und die Kamera bei dem Kurzfilm "Zehn Jahre" von Thomas Brasch. Im Herbst 1990 besuchte er die Filmhochschule in Havanna. Sein Film "Acht Fragen", das Porträt einer 70-jährigen Revolutionärin, wurde auf den Filmfestspielen Havanna prämiert.

Zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Sängerin Christine Schäfer, drehte er den mehrfach ausgezeichneten Musikfilm "Eine Nacht. Ein Leben" nach Schönbergs "Pierrot Lunaire" und "Dichterliebe" nach Robert Schumanns Liederzyklus. Bei der Ruhrtriennale 2002 inszeniere Herrmann eine viel beachtete Aufführung von Schuberts "Winterreise". Seinen neuesten Film vollendete er erst vor ein paar Tagen: einen Musikfilm zu Strawinskys "Le Sacre du Printemps".

"Oliver Herrmann war ein Künstler, sensibel für den theatralischen Moment hielt er mit seiner Bildphantasie die Szene liebevoll und unbestechlich fest", heißt es in der Aussendung des Berliner Ensembles, "Seine Theaterfotos werden bleiben als herausragende Bilddokumente: sie bilden die Poesie und Dramatik des Spiels unmittelbar ab." (APA)