Brüssel - Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht nach Worten von EZB-Präsident Wim Duisenberg immer mehr Anzeichen für die lange erhoffte Konjunkturerholung in der Euro-Zone im zweiten Halbjahr. Die Teuerungsrate werde 2004 auch bei einer schrittweisen wirtschaftlichen Belebung stabil unter der EZB-Toleranzgrenze von zwei Prozent liegen.

Fehlende Haushaltsdisziplin

Duisenberg hat die fehlende Haushaltsdisziplin in den Staaten der Eurozone kritisiert. Bei seinem letzten turnusmäßigen Auftritt vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments am Mittwoch in Brüssel sagte Duisenberg, er sehe die aktuelle Diskussion über den Stabilitätspakt mit "großer Sorge".

"Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass die meisten Länder ihre eigenen Budgetziele für 2003 um deutlich verfehlen", sagte Duisenberg. Als eines der größten Probleme der EU bezeichnete der die strukturelle Arbeitslosigkeit. Der scheidende EZB-Chef forderte die EU-Staaten zu weiteren Strukturreformen auf.

"Angemessenes Niveau" der Leitzinsen

"Das derzeitige Niveau der Leitzinsen ist angemessen, da die mittelfristigen Aussichten für die Preisstabilität weiterhin günstig sind", sagte der EZB-Präsident am Mittwoch bei seiner letzten turnusmäßigen Anhörung vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments in Brüssel. Duisenberg soll im November von Jean-Claude Trichet, dem französischen Notenbankchef, im Amt des EZB-Präsidenten abgelöst werden.

Im zweiten Halbjahr werde eine Konjunkturerholung einsetzen und sich im kommenden Jahr verstärken, sagte Duisenberg. Die Risiken für dieses Szenario hätten in den vergangenen Monaten abgenommen, auch wenn sie nicht ganz verschwunden wären. Trotz einer anziehenden gesamtwirtschaftlichen Nachfrage erwarte die EZB jedoch weiterhin ein stabiles Preisniveau in der Euro-Zone. Die Inflationsrate werde bis Ende 2003 um zwei Prozent schwanken und im kommenden Jahr unter die für die EZB wichtige Marke sinken. Die EZB sieht ihr oberstes Ziel, Preisstabilität, bei Teuerungsraten von knapp zwei Prozent erreicht.

Der EZB-Rat hatte den historisch niedrigen Leitzins von 2,00 Prozent in den vergangenen Monaten nicht geändert, nachdem er ihn im Juni zum siebenten Mal innerhalb von zwei Jahren reduziert hatte. Mit den ersten Anzeichen einer Wende der seit rund drei Jahren schwachen Konjunktur zum Besseren sind die Fragezeichen jedoch größer geworden, ob die EZB die Bankenrefinanzierung ein weiteres Mal verbilligen muss. An den Finanzmärkten wird sogar schon auf Zinserhöhungen im kommenden Jahr gesetzt. (APA)