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Foto:APA/ Daniel Dal Zennaro
Wien - Die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zu den Vorfällen im Lainzer "Geriatriezentrum am Wienerwald" (GZW) und die Ablösung von Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann (SP) forderte am Mittwoch die Sozialsprecherin der Wiener ÖVP, Ingrid Korosec. Es solle eine unabhängige Pflegeanwaltschaft und eine Job-Rotation bei der Führung von Pflegeheimen eingeführt werden.

Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (VP) bezeichnete die Pflegemissstände in Lainz als ein "klares Versagen der Kontrolle". Sie fordert ein Mehrangebot an Tagespflegestellen.

Grüne fordern "bundeseinheitlichen Mindeststandards"

Die Grünen forderten die Einführung von "bundeseinheitlichen Mindeststandards". Die Grüne Gesundheitssprecherin Sigrid Pilz forderte neuerlich die Schließung des GZW; auch müsse die "Grauzone der Freiheitsbeschränkungen" im Pflegeheim in Angriff genommen werden.

Personelle Engpässe

Die Lainzer Pflegemisere werfe nur "ein Schlaglicht auf die sich zuspitzende Situation", so der Vize-Präsident der Ärztekammer, Walter Dorner. Generell zeichneten sich "immer bedrückendere personelle und organisatorische Engpässe" in der Altenbetreuung und -pflege ab. Dorner plädiert dafür, Geriatriezentren in geriatrische Spitäler aufzuwerten, viele kleine dezentrale Einheiten zu schaffen und die ambulante Versorgung zu stärken.

Personal setzte sich gegen die Vorwürfe zur Wehr

Das Personal im GZW setzte sich indes gegen die Vorwürfe zur Wehr: "Horrormeldungen" und eine "Hetzkampagne" lasse man sich nicht gefallen, so Monika Mauerhofer von der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten. Es habe Fehler bei der Hygiene und der Dokumentation gegeben, die Vorfälle seien aber "skandalisiert" worden. Anders als medial berichtet, habe man die Patienten täglich am ganzen Körper gewaschen.

Rieder für Rotationsmodell bei den Mitarbeitern

Der frühere Wiener Gesundheitsstadtrat und nunmehrige Finanz-Ressortchef Sepp Rieder (SP) wies Vorwürfe zurück, dass er im Geriatriebereich keine Maßnahmen getroffen habe: Während seiner Amtszeit als Gesundheitsstadtrat seien in den Pflegeeinrichtungen 1000 Betten reduziert und der Mitarbeiterstand um 1000 Personen erhöht worden. Auch er sprach sich für ein Rotationsmodell bei den Mitarbeitern in der Geriatrie aus.

Unterstützung bekam Gesundheitsstadträtin Pittermann von SP-Chef Alfred Gusenbauer: Ihr Vorgehen im Fall Lainz sei der "absolut richtige Weg" gewesen. (frei,DER STANDARD Printausgabe 11.9.2003)