"Ich hab' mir schon überlegt, ein Schild hinten hinzuhängen: ,Tipping is not a city in China!'" Darko S. (34) lacht, aber nicht aus Freude. Der gebürtige Kroate ist seit fast zehn Jahren Taxler in Wien. Und will jetzt aufhören und sich einen neuen Job suchen. "Mir reicht's wirklich. Die Leute können alle nicht mehr rechnen. Wie's den Schilling gegeben hat, haben's noch gewusst, wie viel zehn Prozent sind. Jetzt auf einmal nicht mehr, oder was? Ja, die Hackler und die Kellner, die geben noch Trinkgeld. Aber die reichen Schnösel? Nix mehr."

Eine Stunde herumstehen ist keine Seltenheit

Ein Zug an der Zigarette. Und weiter: "Es gibt zu viele Taxis in Wien." Das ist für Darko eindeutig erwiesen. Eine Stunde herumstehen auf dem Standplatz "ist keine Seltenheit". Früher? "Maximal eine halbe Stunde." In seiner Schicht - 18 bis sechs Uhr früh - mache er normalerweise zwischen 90 und 130 Euro Umsatz. Davon gehören 45 Prozent ihm. "Es gibt kleinere Unternehmen, bei denen bekommen die Chauffeure auch 50 Prozent."

Von den Behördenkontrollen, auf der Suche nach illegal beschäftigten Lenkern, hat er auch gehört. "Es gibt mehr als früher", weiß er, "die schauen sich alle Daten an, den Führerschein und den Taxischein." Aber es gebe dann Vorwarnungen. "Manche Leute fahren an manchen Tagen nicht", sagt er. Und will nicht mehr darüber reden.

Funkzentralen

"Ich vermute", sagt er dann, schnell das Thema wechselnd, "dass die Österreicher von den Funkzentralen bessere Aufträge bekommen als ich. Die bestreiten das zwar immer. Aber ich weiß nicht . . ." Vor einigen Jahren schon habe ihm irgendwer von speziellen Inländercodes erzählt. "Aber auch das ist in den Taxlerzeitungen oft dementiert worden." Darko denkt nach. "Ah ja, Einbrüche in stehende Taxis gibt es auch mehr." Jedenfalls, das Resümee: "Es gibt zu viele Taxis. Und sowieso eine Krise. Ein Kollege wird jetzt Hundefriseur." (szem, DER STANDARD Printaugabe 13/14.9.2003)