Keine Sicherheitssituation eines Landes ist mit derjenigen Israels nach seiner Gründung vergleichbar: ein Staat, von dem seine direkten und indirekten Nachbarn keine Grenzkorrekturen forderten, in dem sie nicht an einem Umsturz oder Politikwechsel interessiert waren - sondern den sie ganz einfach auslöschen wollten. Das ist mitzudenken, wenn man sich über Israels Entscheidung für eine strategische Abschreckung durch Atomwaffen erregt. Das Thema steht für Israel nicht zur Disposition, solange es keine Friedensschlüsse mit allen Ländern der Region gibt - und davon ist man weit entfernt. Allerdings hat sich die Situation geändert, es gibt heute kein Land mehr, das nicht zumindest de facto die Existenz Israels anerkennen würde. Erreicht wurde das jedoch nicht durch ein Umdenken der anderen, sondern durch die Stärke Israels.

Die Diskussionen darüber werden trotzdem nicht abreißen: Dass die arabischen/islamischen Staaten ihre Nuklearpolitiken als Reaktion auf die israelische formulieren, dass Politik und Öffentlichkeit dieser Staaten einmal mehr den "double standard" der USA beklagen, die die israelische Massenvernichtungswaffenpolitik aus ihren Non-Proliferation-Anstrengungen einfach ausnehmen, während sie andere bedrohen und angreifen.

Es wird nichts ändern. Interessanter ist da zu beobachten, dass Israels auch von den USA als weniger "peinlich" geschätzte Doktrin der "nuklearen Ambiguität" - die den potenziellen Gegner in Unklarheit darüber lässt, ob und wie viel man an Atomwaffen hat - Schule gemacht zu haben scheint, sowohl im Fall Nordkoreas als auch des Iran. Wenn der Iran den NPT (Non Proliferation Treaty) verlässt und sich offen Atomwaffen aneignet, dann könnte sich unter Umständen auch Israel deklarieren - was wiederum den Druck auf Ägypten erhöhen würde, sich nuklear zu bewaffnen. Es hängt also viel daran, den Iran im Rahmen der internationalen Institutionen und Verträge zu halten.(DER STANDARD, Printausgabe, 16.9.2003)