Milch.

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Wien - Milch und Milchprodukte werden ab Jänner 2004 um 3 bis 4 Prozent teurer. Der Grund dafür liegt in der mit Jahresbeginn eingehobenen Lkw-Maut ("Road Pricing"), die sich auf die heimischen Molkereien mit Zusatzkosten von 1,5 bis 4 Prozent niederschlage, bestätigten heute, Mittwoch, die beiden größten österreichischen Molkereien Berglandmilch und NÖM AG. Eine Preissteigerung für Konsumenten sei daher "notwendig und unumgänglich", sagte NÖM-Vorstand Alfred Berger.

Rauher Wind

Im allgemeinen sehen sich die Molkereien im Milchjahr 2003 einem rauhen Wind ausgesetzt. Nicht nur die Konzentration im Lebensmittelhandel, sondern auch die Kaufzurückhaltung der Konsumengen auf Grund der schwachen Konjunkturlage haben sich in der Geschäftsentwicklung der Molkereien niedergeschlagen. So weisen alle Produktgruppen im Segment Weiße Palette, zu der etwa Milch, Rahm, Buttermilch oder Butter gehören, ein mengenmäßiges Minus aus.

Bei der Bunten Palette setzte sich dageben die dynamische Entwicklung bei den Milchmischgetränken mit einem Plus von 13 Prozent fort. Auch Käse (Gelbe Palette) liegt laut Stephan Mikinovic, Geschäftsführer der Agrarmarkt Austria (AMA) Marketing, weiter im Trend, wobei Frisch- und Schnittkäse die Gewinner in diesem Segment sind.

Österreich ist Trumpf

Herr und Frau Österreicher halten heimischen Milchprodukten jedenfalls nach wie vor die Treue und den Importdruck der 14 anderen EU-Staaten erfolgreich abwehren, freut sich die AMA. In allen Produktgruppen außer den Frische-Desserts überwiege der Inlandsanteil.

Auf Erfolge könne die heimische Milchwirtschaft aber auch im Ausland verweisen. So haben sich die Exporte in den vergangenen sieben Jahren von 117,1 auf 346,1 Mio. Euro verdreifacht. Die wichtigsten Exportmärkte sind nach wie vor Deutschland mit einem Anteil von 49 Prozent und Italien mit 38 Prozent (1. Quartal 2003). Die Käseexporte haben sich in diesem Zeitraum fast vervierfacht - von 67,3 auf 251,8 Mio. Euro.

AMA will nach Mittel- und Osteuropa

Gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium und der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) wolle die AMA künftig auch in Mittel- und Osteuropa punkten. Die bisherigen Zahlen seien mit einem Volumen von 346 Mio. Euro "noch bescheiden", mit der Ende September startenden Exportoffensive sollen diese neuen Märkte mit ihren rund 300 Mio. Konsumenten "initiativ angegangen" werden.

Die Situation der heimischen Milchwirtschaft werde durch die verstärkte Einführung von Handelsmarken deutlich verschärft, waren sich Berger und der Geschäftsführer der Berglandmilch, Josef Braunshofer, einig. Die Anteile der Eigenmarken seien in fast allen Warengruppen gestiegen und bei Produkten mit geringer Wertschöpfung wie Trinkmilch, Sauerrahm, Obers und Naturjoghurt am höchsten. Als Gegenmittel setzten die heimischen Milchverarbeiter weiterhin auf Innovationen, vor allem bei Wellness-Getränken.

Eine mögliche Kooperation von Berglandmilch und NÖM, wie sie lange Zeit im Gespräch war, scheint in weite Ferne gerückt. Mit dem strategischen NÖM-Partner Parmalat seien die Karten klar gemischt, sagte Braunshofer. Man habe jedoch "keine Berührungsängste". Beide Unternehmen hätten eine erfolgreiche Strategie, die auch weiter verfolgt werde, so Berger dazu. (APA)