Wien – Neun ungeklärte Todesfälle in diesem Jahr im Otto-Wagner-Spital beschäftigen Gerichtsmedizin und Kriminalpolizei. Bei den Toten handelt es sich um Patienten aus sieben Stationen des Spitals auf der Baumgartner Höhe – Lungenabteilungen und vier verschiedene Stationen der Psychiatrie. Insgesamt starben in dem Spital heuer 325 Menschen.

Im Fall der mysteriösen Todesfälle in der Psychiatrie im Wiener Otto-Wagner-Spital wird jetzt von Seiten der Kriminaldirektion 1 (KD 1) ermittelt. Konkret gehe es vor allem um zwei drogenabhängige Patienten, stellte KD1-Leiter Dr. Ernst Geiger im Gespräch mit der APA fest.

Bei den beiden Toten handelt es sich laut Geiger um einen Mann, der am 1. Jänner 2003, und eine Frau, die am 14. Februar 2003 starb. "Es wurde eine Obduktion gemacht. Die Todesursache war laut gerichtsmedizinisches Gutachten nicht eindeutig feststellbar", so Geiger.

Der KD1-Leiter besteht jedoch auf die Feststellung, dass keinesfalls Mordverdacht bestehe, sondern um ungeklärte Todesfälle. Bei den Patienten waren keine äußeren Einwirkungen festgestellt worden. Es gebe auch keinen konkreten Tatverdacht. "Das ist kein zweites Lainz mit den Mundspülungen", sagte Geiger.

Liste mit den verdächtigen Fällen

Zunächst waren die ungeklärten Todesfälle vom Kriminalkommissariat West untersucht worden. Dieses wurde vom Bezirksgericht von den beiden Personen informiert. Das Straflandesgericht Wien soll in der kommenden Woche eine Liste mit den verdächtigen Fällen erhalten. Die zuständige U-Richterin wird dann über das weitere Vorgehen entscheiden.

Häufung von Todesfällen Die Kriminalpolizei wird routinemäßig eingeschaltet, wenn ein Todesfall unklar scheint. Es handle sich jedoch um eine „Häufung von Todesfällen in ärztlicher Behandlung", wird der Gerichtsmediziner Johann Missliwetz im Kurier zitiert. Im Büro von Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann konnte eine derartige Auffälligkeit nicht bestätigt werden.

KAV: Neun unklare Todesfälle "keine besondere Häufung"

Der zuständige Direktor des Krankenanstaltenverbundes (KAV), Ludwig Kaspar, verweigerte gegenüber dem Standard eine Stellungnahme. Eine Sprecherin des KAV meinte jedoch in einer ersten Einschätzung, dass neun unklare Todesfälle „keine besondere Häufung" darstellen würden. Der Gerichtsmedizinerwollte bei den „naturwissenschaftlich nicht ausreichend erklärten Todesfällen" Fremdverschulden nicht ausschließen, zumal auch schriftliche Unterlagen in zumindest einem Fall unauffindbar seien. Dies weckt Erinnerungen an die Mordserie von Lainz. 1989 töteten vier Schwestern einer Abteilung Pfleglinge mit Rohypnol. Sie nannten dies damals „Mundpflege".

Ärztlicher Direktor weist Gerüchte zurück

Später wies der ärztliche Direktor des Otto-Wagner-Spital, Dr. Heinz-Eberhard Gabriel die kolportierten "mysteriösen Todesfälle" im Krankenhaus zurück. "Es ist in den vergangenen zwei Jahren nicht zu mehr Todesfällen gekommen als in anderen vergleichbaren Wiener Spitälern", meinte der Mediziner zur APA.

Dass verstorbene Patienten von der Pathologie über die Staatsanwalt zur Gerichtsmedizin überwiesen werden, sei - etwa nach einem plötzlichen Todesfall oder einem Exitus bei einer Operation - nicht außergewöhnlich. "Das macht man schon aus Selbstschutz", so Gabriel.

Der Ärztliche Leiter unterstrich, dass die Fälle in verschiedenen Stationen und verschiedenen Zeitpunkten aufgetreten sind. Es gebe "keinerlei Hinweis" darauf, dass es seitens der Personal zu irgendeiner Art Vernachlässigung oder Übergriffe gegen die Patienten gekommen ist. Er führt die Todesfälle auf Drogenprobleme zurück.

Überprüfung gefordert

Die psychiatrische Abteilung des Otto-Wagner-Spitals soll von der Untersuchungskommission zum Pflegeheimskandal im Rathaus geprüft werden, forderte die Gesundheitssprecherin der Wiener FPÖ, Karin Landauer. Auch der ärztliche Direktor des Spitals, Heinz-Eberhard Gabriel, kündigte im ORF-Mittagsjournal an, eine interne Untersuchungskommission einzusetzen.

Landauer will den Prüfauftrag der Rathaus-U-Kommission dennoch ausweiten. "Wenn sich die schrecklichen Vorwürfe bestätigen, dass tatsächlich Menschen unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen sind, besteht sofortiger Handlungsbedarf", hielt sie in einer Aussendung fest. Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann sei aufgefordert, umfangreiche Ermittlungen einzuleiten.(APA,DER STANDARD Printausgabe 18.9.2003)