Zürich - Der Begriff der "Nachhaltigkeit" gewinnt in der Investmentbranche immer mehr an Bedeutung. Nach dem Höhenflug und Absturz der Aktienbörsen setzen Investmentfonds und Unternehmen immer stärker auf das Konzept der Nachhaltigkeit um das verlorene Anlegervertrauen zurück zu gewinnen. Das Interesse an nachhaltigen Investments ist groß und weiter im Wachsen, so der Grundtenor bei einem von der Schweizer Privatbank Sarasin zu diesem Thema veranstalteten Expertenforum in Zürich.

"Das Vertrauen, dass Ihr Vermögen erhalten bleibt und eine gute Rendite erwirtschaftet ist die Grundvoraussetzung, damit überhaupt angelegt wird", erklärt Stefan Schaltegger vom Institut für Umweltmanagement der Universität Lüneburg. Für eine dauerhafte Steigerung des Unternehmenswerts spielen Faktoren wie Markenwert, Reputation und Mitarbeitermotivation eine entscheide Rolle und diese werden stark von der Auseinandersetzung der Unternehmen mit ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung beeinflusst. Neben diesem integrierten Ansatz zur Vereinigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Zielen seien auch der interregionale Aspekt des Ausgleichs zwischen reichen und armen Regionen oder die aktive Rolle des Unternehmens in der Mitgestaltung von gesellschaftspolitischen Themen wesentliche Faktoren.

Auch ökologische Faktoren berücksichtigen

Nachhaltigkeit bedeute neben dem Fokus auf langfristigem ökonomischen Erfolg auch ökologische Faktoren zu berücksichtigen sowie gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen, meint auch Martin Tanner von Novartis International. Novartis selbst gebe etwa jährlich 350 Mio. Franken (225 Mio. Euro) aus, um einen breiten Zugang zu seinen Produkten zu ermöglichen. "Was grundsätzlich ein Preisproblem ist", ergänzt Tanner. So erhalte beispielsweise die Weltgesundheitsorganisation WHO Produkte von Novartis gratis bzw. zum Selbstkostenpreis.

Aber nicht nur Unternehmen, auch Anleger interessieren sich zunehmend für das Thema Nachhaltigkeit. Schaltegger sieht prinzipiell drei Anlegergruppen für nachhaltige Investments: Den ethisch motivierten, dem ein gutes Gewissen wichtig ist. Den gesamtwirtschaftlich motivierten, der Impulse geben möchte. Aber auch der klassisch renditeorientierte Investor sei damit gut bedient, denn "sustainability rechnet sich", so Schaltegger. Sympathie alleine reiche selbstverständlich nicht aus, man müsse auch klassische Renditeerwartungen erfüllen, meint auch Franz von Meyenburg, Partner bei der Bank Sarasin. Die Nachhaltigkeit bilde lediglich einen Zusatznutzen. Bei gleicher Rendite bekomme man quasi "das gute Gewissen dazu".

Akzeptanzproblem

Tatsächlich kämpfen Nachhaltigkeits-Fonds aber gerade hinsichtlich der Renditeerwartungen noch mit einem Akzeptanzproblem. "Viele Anbieter wollen bewusst nicht mit Nachhaltigkeit werben, um nicht in eine bestimmte Ecke gedrängt zu werden", erklärt Edda Müller, Vorstand des Bundesverbandes deutscher Verbraucherzentralen. Oftmals seien Termini wie "Öko" oder "alternativ" negativ besetz, Anleger verbinden damit "moralisch und gut, aber ertragsschwach".

Dabei kann sich nachhaltiges Wirtschaften auch ökonomisch rechnen. Mit der Beachtung ökologischer und sozialer Faktoren können schwer kalkulierbare Risiken wie etwa Schadenersatzforderungen vermieden werden, erläutert der Bank Sarasin-Experte Frank Wettlauffer. Ökologisch orientierte Produktinnovationen wie etwa Brennstoffzellen versprechend zudem auch kommerziellen Erfolg. Schließlich helfe eine tragfähige Sozialpartnerschaft zwischen Gewerkschaften und Unternehmensführung frühzeitig Konfliktpotenziale zu entschärfen und Imageschäden zu vermeiden.

Ein Problem stellen auch unterschiedliche Begrifflichkeiten und abweichende Standards bei nachhaltigen Investmentfonds dar. Neben klassischen Nachhaltigkeitsfonds findet der Anleger am Markt auch klassische Ethikfonds, Umwelttechnologiefonds und Ökoeffizienzfonds, die sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten ebenfalls dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben haben. "Damit wird eine Researcharbeit des Investors nötig", erklärt Meyenburg. "Eine vergleichende Bewertung und klare Abgrenzung der am Markt befindlichen Produkte ist derzeit kaum möglich", bestätigt Müller. Die Verbraucherschützerin fordert daher einheitliche Definitionen des Begriffs "nachhaltige Investments" und eine standardisierte Berichtspflicht im Sinne größerer Transparenz seitens der Fondsgesellschaften.(APA)