Wien - Zahlreiche neue Gesichter in ihren Klassenzimmern erwarten die Schüler ab 1. Dezember. Mit diesem Tag haben viele Lehrer nämlich letztmals die Gelegenheit, zu vergleichsweise günstigen Bedingungen in den Vorruhestand zu wechseln. In der Gewerkschaft rechnet man mit zahlreichen Ansuchen. An den Pflichtschulen gibt es außerdem die Möglichkeit, vor der Pension noch einen Sonderurlaub anzutreten.

Altersjahrgänge bis 1948

In Anspruch nehmen können das Vorruhestandsmodell grundsätzlich die Pädagogen der Altersjahrgänge bis 1948. Durch die Vorruhestandsregelung können die Pädagogen bereits fünf Jahre vor anderen Beamten in den Ruhestand treten, müssen pro Jahr aber einen lebenslangen Abschlag von fünf Prozent bei der Pension in Kauf nehmen. Ab 1. Jänner steigt das Antrittsalter schrittweise - wer also jetzt nicht geht, kann dies daher erst wesentlich später. Beispiele: Ein am 2. Juli 1947 geborener Lehrer könnte erst am 31. Oktober 2005 wieder den Vorruhestand in Anspruch nehmen, ein am 2. Juli 1948 geborener erst im Februar 2007.

Theoretisch auch 50-Jährige pensionsberechtigt

Theoretisch könnten im Pflichtschulbereich auf Grund einer Gesetzeslücke sogar 50-Jährige (Jahrgang 1953) in Pension gehen - auf Grund der extrem hohen Abschläge würden aber höchstens Ausnahmefälle davon Gebrauch machen, betonte der Vorsitzende der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Walter Riegler, gegenüber der APA. Für einen Interessenten habe man etwa errechnet, dass er bei einer Inanspruchnahme auf nur ein Drittel seines Letztgehaltes gekommen wäre.

Sonderurlaub als "Zuckerl"

Als zusätzliches "Zuckerl" konnte Pflichtschullehrern vor Antritt der Pension am 1. Dezember auch noch ein Sonderurlaub genehmigt werden, was in Wien an einigen Schulen die Besetzung in den Konferenzzimmer dezimiert hat. Die meisten Bundesländer würden allerdings restriktiv vorgehen und keine Sonderurlaube genehmigen, so Riegler.

Posten müssen abgebaut werden

Wie viele Lehrer in den Vorruhestand wechseln, sei schwer zu beantworten, meinte Riegler: "Hoffentlich viele - obwohl ich jedem einzelnen sage, dass er sich das genau überlegen soll." Durch den Finanzausgleich würden heuer etwa 1.000 Posten im Pflichtschulbereich wegfallen, dazu kämen auch noch sinkende Schülerzahlen. Wenn es nicht genug Alterspensionen bzw. Inanspruchnahme des Vorruhestandsmodells gebe, würden als Alternative "diejenigen rausgeschmissen, die ungesichert sind", also vor allem Junglehrer.

Junglehrer freuen sich schon

Auch die AHS-Gewerkschaftsvorsitzende Eva Scholik sieht positive Auswirkungen auf die Altersstruktur der Pädagogen: "Die Junglehrer freuen sich schon." Nicht zuletzt dürfte auch das Bildungsministerium profitieren: Die jüngeren Pädagogen kommen gehaltsmäßig wesentlich günstiger als knapp vor dem Pensionsantritt stehende. (APA)