Wien - Sage und schreibe neun Jahre nahm die gerichtliche Voruntersuchung gegen einen Hausverwalter in Anspruch, ehe am Montag der Prozess gegen den 56-jährigen Wiener eröffnet werden konnte. Staatsanwältin Susanne Waidecker legte ihm im Wiener Landesgericht vor allem Veruntreuung und betrügerische Krida zur Last: Der Mann soll zu Lasten seiner Gläubiger Unsummen verschleudert haben, wobei der inkriminierte Gesamtschaden über sieben Millionen Euro beträgt. Ein Ende des Schöffenverfahrens (Vorsitz: Michaela Röggla-Weiss) ist nicht absehbar.

Die Anklägerin bescheinigte dem Angeklagten, der zu seinen besten Zeiten in der Bundeshauptstadt 200 Zinshäuser betreute, seine Firmen "auf gut Deutsch zu Grunde gerichtet zu haben", wie sie sich ausdrückte. Um seine Geschäfte besser abwickeln zu können, hatte er für jeden einzelnen Zweig - Planung, Instandsetzung und Vermietung - eigene Gesellschaften gegründet. Dank fehlender kaufmännischer Sorgfalt - so gab es für die verschachtelten Unternehmen ein einziges Verrechnungskonto -, mangelnder Buchführung - neben der offiziellen Buchhaltung existierte angeblich eine zweite Mappe mit der interessanten Bezeichnung "Wahrheit" - und beträchtlichen Privatentnahmen reihte sich laut Anklage ein Verlustgeschäft an das andere.

"Ausführung war entsetzlich"

"Seine Idee mag nicht schlecht gewesen sein. Die Ausführung war entsetzlich", sagte die Staatsanwältin. "Das müssen Sie mir erst beweisen", konterte der konzessionierte Hausverwalter schlagfertig. Als Favoritner Hausbesorgersohn, der selbst mit einem Klo am Gang aufwuchs, sei es ihm von Anfang an darum gegangen, keine Substandardwohnungen mehr auf den Mark zu bringen: "Mein Ziel war es, die Wohnungen zu verbessern." Das habe auch einwandfrei funktioniert.

Dabei hätten ihn die Eigentümer in den meisten Fällen kaum finanziell unterstützt: "Heut san's reich und lachen." 82 Baubewilligungen hätte er erstritten, 800 Wohnungen ausgesiedelt, 40 Millionen Schilling von sich aus "in die Schlacht geworfen". Die Anklage sei völlig verfehlt: "Wenn einer an Chauffeur hat, an Jaguar und lange Haar', ist er scheinbar gleich ein Verbrecher." Vorwerfen könne man ihm nur, "dass ich aus heutiger Sicht voll deppert war", meinte der Hausverwalter.

Konkursantrag

Denn im Jahr 1994 habe er für einen Architekten eine Haftung unterschrieben, was dazu führte, dass dessen Schwiegersohn einen Konkursantrag in die Wege leitete. Diesem sei stattgegeben worden, obwohl den aushaftenden Verbindlichkeiten das Dreifache an offenen Forderungen gegenüberstand, behauptete der Angeklagte: "Ich habe alles in die Schlacht geworfen! Ich habe nie an mich gedacht. Ende der Durchsage."

Er habe keinen Groschen an der Buchhaltung vorbei geschleust, und er wisse, "dass ich nix genommen hab". Zu seinem angeblich aufwendigen Lebensstil bemerkte der 56-Jährige: "Ha! Die Yacht war ein Motorboot, die Villa eine 50 Quadratmeter große Holzhütte. So schaut's aus, liebe Frau Rat!" Das Gericht wird in den nächsten Wochen Gelegenheit haben, diese Angaben zu überprüfen. (APA)