Hannes Gastinger und Helmut Berger (re.) in einer Bühnenversion von Robert Musils "Der Mann ohne Eigenschaften".

Foto: Stadttheater Klagenfurt
Das laut Claudio Magris "größte Buch unserer Gegenwart" zählt zu den meistzitierten und zugleich kaum (zu Ende) gelesenen deutschsprachigen Romanen des 20. Jahrhunderts: Der Mann ohne Eigenschaften. Musils Intention, hierarchische sowie repressive Klischees durch ihre Missachtung einer schlüssigen Deutung zu unterziehen, versucht der Autor der Bühnenfassung, Regisseur Jürgen Kaizik, in szenischer Verdichtung gerecht zu werden. Den historisch-psychologischen Ansätzen der Romanvorlage setzt er existenziell-philosophische Dialoge entgegen, indem er eine scheinbar belanglose Austauschbarkeit der Charakter- bzw. Persönlichkeitsmerkmale der handelnden Personen vornimmt.

Im Mittelpunkt steht nicht Ulrich, das schlampige, dem Inzest mit seiner Schwester Agathe (Ulli Maier) frönende Genie, von Helmut Berger überzeugend androgyn verkörpert, sondern der Sexualmörder Moosbrugger, der in jeder Sequenz präsent ist, gleichsam als Über-Ich fungiert. Der überaus komplexen Person wird Wolfram Berger in bestürzend realistischer Weise gerecht, kontinuierlich die Grenzziehung zwischen Irrsinn und Normalität hinterfragend.

Eine weitere Handlungssäule fußt auf der Figur der sinnlich-frivolen Clarisse, dargestellt von Eva Herzig, die genüsslich im Graubereich des Gefährlich-Verbotenen agiert. Bühnenbild und Lichteffekte erzeugen ein grelles, zugleich verunsicherndes Gefühl der Ratlosigkeit, das durch eindringlich schonungslose musikalische Hintergrundeffekte verstärkt wird. (bay/DER STANDARD, Printausgabe, 30. 9.2003)