Wattens - Anfang Mai hatte das zweijährige Bangen ein böses Ende. Der türkische Arcelik-Konzern, der Elektra Bregenz erst ein Jahr vorher übernommen hatte, erklärte die Schließung des traditionsreichen Herdproduzenten in Vomp bei Schwaz. 250 Mitarbeiter waren betroffen, 128 sind nun in einer Arbeitsstiftung untergekommen.

"Ich bin seit 1971 im Betrieb gewesen", erklärt Siegfried Hochleitner (51), Metallfacharbeiter und Betriebsrat. "Der Untergang war für uns alle ein Schlag ins Gesicht", sagt er und verweist darauf, dass viele seit Jahrzehnten im Betrieb gearbeitet hätten - entsprechend hoch ist mit 42 Jahren das Durchschnittsalter jener, die in der Arbeitsstiftung einen Neubeginn suchen.

Berufsorientierungskurs

Die nächsten sechs Wochen steht im Bfi-Zentrum Wattens ein intensiver Berufsorientierungskurs auf dem Programm, sagt Christoph Drobil vom Tiroler Beschäftigungsverein. Dann fallen individuelle Entscheidungen zwischen ergänzenden Kursen im jeweiligen Beruf oder komplett neuer Ausbildung. Sorgen macht Drobil die schlechte Konjunkturlage, die achtzigprozentige Vermittlungsquote aus früheren Arbeitsstiftungen sei daher wohl kaum zu halten.

Bis zu drei Jahren können die Betroffenen in der Stiftung bleiben und dabei mit rund 70 Prozent ihres letzten Gehalts rechnen, sagt Gewerkschafter Hans Ofner, der maßgeblich den Sozialplan mitverhandelt hat. Das AMS trägt über das Arbeitslosengeld den Löwenanteil der Kosten, 400.000 Euro steuert das Unternehmen bei, 300.000 das Land Tirol.

Auffallend wenige Migranten haben sich für die Arbeitsstiftung entschieden und eine Abfertigung von zwei Monatsgehältern angenommen. Hochleitner vermutet Sprach-probleme dahinter. Er selbst will es sich offen halten, ob er in seiner Branche bleibt oder ganz etwas Neues anpeilen wird. Am selben Tag, an dem Hochleitner in die Arbeitsstiftung eintrat, begann sein Sohn in Innsbruck mit dem Mathematikstudium. (hs, DER STANDARD Printausgabe 2.10.2003)